• Flaggen von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke vor dem Bundeskanzleramt in Berlin bei dramatischem Abendhimmel

    Mit der Schwarz-Roten Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt sich seit Mai 2025 die Politik der ‚Reste-Ampel‘ in zentralen Feldern fort. Die Vorstellungen zur Klima- und Transformationspolitik der Grünen hat Merz bereits vor der Regierungsbildung de facto übernommen, da er ansonsten die Sondervermögen über 500 Milliarden Euro im alten Bundestag der letzten Wahlperiode nicht genehmigt bekommen hätte. Von diesen Mitteln gehen – ausgehandelt durch die Grünen – 100 Milliarden in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Eine Analyse des ifo-Instituts unter Clemens Fuest dokumentiert, dass von den im Jahr 2025 unter dem Sondervermögen aufgenommenen 24,3 Milliarden Euro rund 95 Prozent nicht in zusätzliche Investitionen flossen, sondern in die Schließung anderer Haushaltslücken. Nicht nur das: Auch gegenüber der Partei DIE LINKE hat sich CDU/CSU in eine Abhängigkeit begeben. Friedrich Merz bestand nach dem ersten verpatzten Wahldurchgang auf der unmittelbaren Durchführung eines zweiten Wahlgangs am selben Tag. Beides ist ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik: Merz ist der erste Bundeskanzler, der im ersten Wahldurchgang nicht gewählt wurde. Hinzu tritt ein dokumentierbarer Bruch zwischen Wahlkampfkommunikation und Regierungspraxis. Der zweite Wahldurchgang am selben Tag konnte – wie Legal Tribune Online juristisch eingeordnet hat – nur über eine Abweichung von der dreitägigen Verteilfrist nach § 78 Abs. 5 GO-BT zustande kommen. Eine solche Abweichung erfordert nach § 126 GO-BT eine Zweidrittelmehrheit, die durch einen interfraktionellen Antrag von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken zustande kam. Die Union sah dafür über ihren Unvereinbarkeitsbeschluss für eine Zusammenarbeit mit den Linken hinweg – ein historisch beispielloser Vorgang. Damit zeigt sich: Die im Wahlkampf wiederholt betonte Brandmauer gilt nach Rechts gegen die AfD – nach Links wurde sie für die Sicherung der eigenen Kanzlerwahl überschritten. Auf Landes- und Kommunalebene wiederum gibt es dokumentierte Abstimmungen zwischen CDU und AfD, was die einseitige Anwendung der Brandmauer relativiert. Linken-Chefin Schwerdtner bestätigte diesen Befund in einem n-tv-Interview unmittelbar nach dem Wahlgang. Merz und die Führungskader der CDU/CSU reagierten lediglich mit verhaltenen Kommentaren; das Handelsblatt resümierte, dass die Brandmauer zur Linken durch die Kanzlerwahl bereits wackelt. Auch wenn das politische Farbenspiel mit der neuen „Koalition der Willigen“ (s. Koalitionsvertrag) in der Bundesregierung scheinbar eine Veränderung Mehr lesen

Themen des Monats

  • 18. Februar 1943, Berliner Sportpalast: Tausende erheben die Hand für den „totalen Krieg“. Sie wussten, was sie taten — und taten es trotzdem. Was die Szene zeigt, ist kein deutsches Sonderphänomen, sondern eine wiederkehrende Mechanik. Wer sie kennt, erkennt sie auch in der Gegenwart. Mehr lesen

Stichwort der Woche

  • Der Begriff „regelbasierte Ordnung“ bezeichnet ein politisches Konzept, bei dem internationale Beziehungen nicht primär durch nationales Recht oder souveräne Entscheidungen einzelner Staaten bestimmt werden. Mehr lesen

Serien

Essays & Analysen

Essays (frei)

  • Drei Mal wurde Südtirol verraten — 1919 in Saint-Germain, 1939 durch Hitler-Mussolini, 1946 durch Gruber-Degasperi. Heute gilt die Region als Erfolgsmodell europäischer Autonomie. Genau diese Erzählung verdeckt, was eigentlich verloren ging: das Recht eines Volkes auf Selbstbestimmung. Eine Verfassungsfrage, die offen bleibt — auch in Brüssel. Mehr lesen

  • Oktober 1813. Über 500.000 Soldaten auf den Feldern vor Leipzig, die größte Schlacht der europäischen Geschichte. Aus dem Sieg über Napoleon und den Versen der Befreiungskriege entstand der deutsche Einigungsgedanke. Ein Essay über das, was Deutschland formte. Mehr lesen

  • Javier Milei stellt infrage, was in Europa seit 1789 als unantastbar gilt: den moralischen Anspruch demokratischer Staaten auf immer mehr Macht, Steuern und Eingriffe ins Privateiegentum. Mehr lesen

Analysen

Jeden Monat ist mindestens eine Analyse frei. Alle weiteren Analysen in Loreley+.

  • Mit der Schwarz-Roten Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt sich seit Mai 2025 die Politik der ‚Reste-Ampel‘ in zentralen Feldern fort. Die Vorstellungen zur Klima- und Transformationspolitik der Grünen hat Merz bereits vor der Regierungsbildung de facto übernommen, da er ansonsten die Sondervermögen über 500 Milliarden Euro im alten Bundestag der letzten Wahlperiode nicht genehmigt bekommen hätte. Von diesen Mitteln gehen – ausgehandelt durch die Grünen – 100 Milliarden in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Eine Analyse des ifo-Instituts unter Clemens Fuest dokumentiert, dass von den im Jahr 2025 unter dem Sondervermögen aufgenommenen 24,3 Milliarden Euro rund 95 Prozent nicht in zusätzliche Investitionen flossen, sondern in die Schließung anderer Haushaltslücken. Nicht nur das: Auch gegenüber der Partei DIE LINKE hat sich CDU/CSU in eine Abhängigkeit begeben. Friedrich Merz bestand nach dem ersten verpatzten Wahldurchgang auf der unmittelbaren Durchführung eines zweiten Wahlgangs am selben Tag. Beides ist ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik: Merz ist der erste Bundeskanzler, der im ersten Wahldurchgang nicht gewählt wurde. Hinzu tritt ein dokumentierbarer Bruch zwischen Wahlkampfkommunikation und Regierungspraxis. Der zweite Wahldurchgang am selben Tag konnte – wie Legal Tribune Online juristisch eingeordnet hat – nur über eine Abweichung von der dreitägigen Verteilfrist nach § 78 Abs. 5 GO-BT zustande kommen. Eine solche Abweichung erfordert nach § 126 GO-BT eine Zweidrittelmehrheit, die durch einen interfraktionellen Antrag von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken zustande kam. Die Union sah dafür über ihren Unvereinbarkeitsbeschluss für eine Zusammenarbeit mit den Linken hinweg – Mehr lesen

  • Friedrich Merz steht bei 13 Prozent Zustimmung — dem schlechtesten Wert eines Bundeskanzlers, seit Forsa misst. Forsa-Chef Matuschek nennt drei Gründe: Ankündigungen ohne Folgen, gebrochene Wahlversprechen, mangelhafter Führungsstil. Eine empirische Bestandsaufnahme nach einem Jahr Kanzlerschaft Merz — von der Brandmauer über den Trick mit dem alten Bundestag bis zur Würzburg-Trump-Sequenz.

  • Deutschland hat die Geldmittel, baut Infrastruktur jedoch im Schneckentempo. Eine Analyse über Sanierungsstau, das Sondervermögen und die Frage, warum 500 Milliarden Euro keine Brücke ersetzen können — und was ein Staat verliert, der seine Aufgaben nicht mehr in Beton übersetzen kann.