Der Einstieg ist frei. Ab Teil 2 in Loreley+

Veröffentlicht im November 2025
Donald J. Trump und Klaus Schwab – Antipoden der globalen Weltordnung
Prolog zur Miniserie
Es gibt Epochen, in denen Macht sich nicht mehr über Könige, Präsidenten oder Parlamente ausdrückt, sondern über Netzwerke. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört in diese Kategorie. Wer die heutige Weltordnung des 21. Jahrhunderts verstehen will – und warum sie gerade zerbricht –, kommt an den stillen Architekten im Hintergrund nicht vorbei: Stiftungen, Thinktanks, diskrete Familiendynastien, supranationale Institutionen und jene Figuren, die sich nie einer Wahl stellen, aber die Entwicklung von Staaten in eine von ihnen vorgegebene Richtung schieben. Der Globalismus, so wie wir ihn seit den 1990er Jahren kennen, ist kein Naturereignis. Er ist konstruiert. Er ist entworfen worden – in Konferenzräumen, Vorstandsetagen, Universitätsstiftungen, diskreten Treffen abseits jeder Öffentlichkeit. Und im Zentrum dieser Konstruktion steht ein Projekt, das heute zwar seinen Einfluss verliert, aber seine Fußspuren überall hinterlassen hat: das World Economic Forum in Davos. Doch Davos war nie der Anfang. Es war die Bühne. Die Architektur stammt von anderen.
Die Konstruktion eines technokratischen Weltbildes
Die entscheidende Verschiebung beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Westen, vorwiegend die USA, verlässt den klassischen Rahmen von Staatenpolitik und betritt das Zeitalter der „global governance“. Die UNO wird gegründet, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, später GATT und WTO. Die Idee dahinter ist so simpel wie vermessen: Man könne die Welt künftig nicht mehr politisch, sondern nur noch technisch steuern. Systemtheorie, Kybernetik, Managementlehre, moderne Ökonomik – all diese Strömungen formen eine neue Klasse: jene der Experten, die nicht mehr nur Politik beraten, sondern Politik ersetzen wollen. Es entsteht ein technokratisches Weltbild, in dem Gesellschaften wie komplexe Maschinen betrachtet werden. Was in den 1950er und 1960er Jahren noch als Fortschrittsoptimismus verkauft wird, ist in Wahrheit der Beginn der politischen Entmündigung ganzer Völker. Die Nachkriegsordnung produziert eine Elite, die sich für rational, wissenschaftlich und alternativlos hält. Demokratien gelten nur noch als Durchlauferhitzer für Entscheidungen, die längst in anderen Räumen getroffen wurden: Boards, Kommissionen, Stiftungsräte, Komitees, diskrete Treffen. Es ist diese Mentalität, aus der später Davos hervorgehen wird. Ganz offensichtlich und in aller Öffentlichkeit nicht als Verschwörung, sondern als logische Konsequenz. In diesem Klima entstehen parallele Machtachsen – etwa der US-amerikanische Council on Foreign Relations, die Trilaterale Kommission oder die Bilderberg-Gruppe. Sie alle arbeiten nach demselben Muster: abgeschlossene Zirkel, in denen Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft sich selbst bestätigen, dass sie eine besondere Verantwortung für „die Welt“ tragen. Dass sie diese Welt besser verstehen als jene, die darin leben. Die Technokratie ist von Anfang an etwas anderes als Demokratie. Sie behandelt den Menschen nicht als Bürger, sondern als Objekt der Steuerung. Der Globalismus übernimmt dieses Denken, legt es über Nationalstaaten und erklärt die eigene Ordnung zum Endpunkt der Geschichte. Francis Fukuyamas, neben Samuel P. Huntigton (Kampf der Kulturen), Vordenker der US-amerikanischen Neokonservativen, hat in seinem Buch The End of History and the Last Man (1992) nichts anderes als die theoretische Verbrämung dieser Hybris – die Überzeugung, dass liberale Demokratie plus globalisierte Marktökonomie das letzte Wort der Geschichte seien. Das Problem: Die Geschichte hat sich nicht daran gehalten.
Wurzeln der Technokratie – Ideologie eines Systems, das den Menschen überwinden wollte
Bevor Davos entstand, bevor die UN zur „globalen Moralinstanz“ erhoben wurde, bevor Brüssel begann, über nationale Parlamente hinweg zu regieren, gab es eine Idee. Eine Idee, die älter ist als Globalisierung, älter als digitale Kontrolle, älter sogar als die moderne Bürokratie. Diese Idee lautet: Der Mensch ist unvollkommen – die Verwaltung ist überlegen. Ein Satz, der wie eine technische Banalität klingt, aber in Wahrheit eine politische Revolution markiert. Denn mit dieser Annahme begann im frühen 20. Jahrhundert jener ideologische Prozess, der später zu Technokratie, Eugenik, Bevölkerungspolitik, Weltregierungsfantasien und globaler Steuerung führte. Es war die Zeit, in der Industrialisierung und Rationalisierung den Westen in eine epistemische Euphorie versetzten. Maschinen produzierten verlässlich, Arbeiter nicht. Systeme funktionierten präzise, Menschen nicht. Und so entstand eine Denkweise, die wir heute klar erkennen, damals aber als Fortschritt feierten: die Idee, eine Gesellschaft könne wie eine Maschine gesteuert werden. Die frühen Technokraten der Zwischenkriegszeit sahen in der Demokratie ein Ineffizienzproblem. Sie glaubten, Experten könnten das Leben organisieren wie Ingenieure eine Fabrik. Ihre Vision war keine Tyrannei im klassischen Sinn. Sie war etwas viel Gefährlicheres: eine Entpolitisierung der Politik. Entscheidungen sollten nicht mehr verhandelt, sondern berechnet werden.
Diese Bewegung erhielt früh akademische Legitimität – und staatliche Sympathie. Die ersten technokratischen Zirkel in den USA, über die etwa die englischsprachige Encyclopædia Britannica berichtet, hielten Energiefluss und Produktionskapazitäten für die einzig legitimen Parameter sozialer Organisation. Politiker seien störend, Bürger irrational, Wahlen unproduktiv. Man muss diesen Ursprung verstehen, um die Gegenwart zu begreifen. Denn später wurde genau diese Denkschule in die Strukturen eingebaut, die heute den Westen prägen: internationale Institutionen, global vernetzte Stiftungen, elitäre Bildungszentren, transnationale Governance-Regime. Die Technokratie ist kein modernes „WEF-Konzept“. Sie ist das Fundament, auf dem der Globalismus überhaupt erst entstehen konnte.
Die Verbindung der Technokratie zur Eugenik
Technokratie blieb jedoch nicht allein. Sie verband sich früh mit einer zweiten, dunkleren Strömung: der Eugenik. Denn wenn der Mensch als störende Variable gilt, wird es zur Versuchung, ihn zu „optimieren“. Diese Denkweise ist historisch belegt, nicht spekulativ. Margaret Sanger, die Gründerin von Planned Parenthood, vertrat offen die Idee der „kulturellen und biologischen Verbesserung“ durch Bevölkerungssteuerung – ausführlich dokumentiert in ihrer Schrift The Pivot of Civilization. Margaret Sangers Eintreten für Eugenik wird in der Forschung breit dokumentiert und kritisch diskutiert; die von ihr gegründete Organisation hat sich später ausdrücklich von diesem Teil ihres Erbes distanziert. Für die hier verfolgte Frage zählt nicht die Bewertung einzelner Personen, sondern das ideologische Muster: die Vorstellung, Bevölkerung lasse sich nach Qualitätskriterien ‚steuern‘. Margaret Sangers Umfeld war direkt mit Eugenik-Societies vernetzt, die wiederum philanthropische Unterstützung durch die Rockefeller Foundation erhielten. Diese Netzwerke waren nicht geheim, sondern öffentlich. Nur das Bewusstsein dafür ist verschwunden. Technokratie sagte: „Menschen müssen besser verwaltet werden.“ Eugenik sagte: „Menschen müssen besser werden.“ Beide Strömungen trafen sich in einem Punkt: Der Mensch im naturgegebenen Zustand ist ein Problem.
Wer diese ideologischen Wurzeln verstanden hat, erkennt auch, warum Davos nie der Ursprung, sondern nur die sichtbare Spitze eines viel älteren Machtprojekts war. Hinter dem Symbol WEF stehen Akteure, die längst wirkten, bevor Klaus Schwab überhaupt eine Bühne betrat. Der Globalismus ist kein Produkt eines einzelnen Mannes. Er ist das Ergebnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Struktur aus Stiftungen, Denkfabriken, supranationalen Institutionen und informellen Eliteforen – und älterer geistiger Strömungen, die in ihnen fortwirken. Der 1776 gegründete Illuminatenorden wurde 1785 verboten; ob und wie sein Gedankengut über Logen der Freimaurerei weiterwirkte, ist in der Forschung umstritten und in der Natur verschwiegener Zusammenhänge kaum abschließend zu klären. Über das, was sich der Dokumentation entzieht, lässt sich weder Existenz noch Nicht-Existenz beweisen; redlich ist allein, diese Grenze zu benennen, statt sie in die eine oder andere Richtung zu überschreiten. Was sich hingegen belegen lässt, genügt für die Analyse: das offene, dokumentierte Zusammenspiel legitim erscheinender Institutionen, dessen Wirkung keiner geheimen Steuerung bedarf, um real zu sein. Der Zeitabschnitt von 2000 bis 2030 sollte die Krönung dessen ermöglichen, was „Wissende“ oder „Gläubige“ (je nach Perspektive) über Generationen mühsam aufgebaut hatten. Doch was sich dann ereignete, hatte niemand vorhergesehen.
Doch bevor dies beleuchtet werden soll, wird mit dem Artikel „Architekten einer neuen Weltordnung – und ihr Scheitern“ der Blick in das eigentliche Fundament geworfen: jene Netzwerke, die die heutige Weltordnung entworfen haben – und deren Erbe jetzt im globalen Zerfall sichtbar wird.

