Veröffentlicht im Juli 2026

Trump kündigt dem Kommunismus den Kampf an

Am Mount Rushmore hält der US-Präsident eine kämpferische Rede, die tiefgreifende Veränderungen ankündigt.

Sie können Karl Marx treu ergeben sein, oder Sie können Amerika treu ergeben sein. Sie können Kommunist sein, oder Sie können Patriot sein. Sie können nicht beides sein.

„You can be loyal to Karl Marx or you can be loyal to America. You can be a communist or you can be a patriot. You cannot be both.“

— Donald Trump, Rede am Mount Rushmore, 3. Juli 2026. Übersetzung Loreley-Blog.

Am Vorabend des 250. Unabhängigkeitstags stand Donald Trump vor dem Mount Rushmore und nannte den Kommunismus eine „tödliche Bedrohung für die amerikanische Freiheit“, schlimmer als beide Weltkriege zusammen — eine typische Trumpsche Übertreibung, die die woke Linke und die Massenmedien auf die Palme brachte. Dabei ist der Kommunismus in der Tat tödlich. Je nach Zählweise und Quelle schwanken die Schätzungen zu den Todesopfern kommunistischer Regime weltweit zwischen 60 und 65 Millionen als konservativer, archivbasierter Untergrenze und bis zu 100 Millionen nach der vom Historiker Stéphane Courtois im „Schwarzbuch des Kommunismus“ vorgenommenen Gesamtrechnung.

Wer in den letzten zwei Jahren die politische Landschaft der USA beobachtet hat, sieht eine reale Verschiebung: Die Democratic Socialists of America (DSA) sind von rund 5.000 Mitgliedern vor einem Jahrzehnt auf über 100.000 in 200 Ortsverbänden angewachsen. Zohran Mamdanis Wahl zum Bürgermeister von New York war laut eigener Aussage der Organisation „die größte Wahlsiegerfolg der DSA-Geschichte“. Die Organisation formuliert ihr Ziel unverblümt: den Sturz des kapitalistischen Systems zugunsten kollektiven Staatseigentums.

Das ist der Punkt, an dem die Debatte in Deutschland regelmäßig ausweicht. Man verweist auf Paul Krugman, der im Sommer 2026 schrieb, die meisten Amerikaner, die sich „Sozialisten“ nennen, seien in Wahrheit gar keine – sie wollten keine Diktatur des Proletariats, sondern eine funktionierende Marktwirtschaft mit sozialem Ausgleich. Das mag für viele Wähler stimmen. Es beantwortet aber nicht die Frage, wie die Organisationen, Kader und Bewegungsstrukturen aussehen, die diese Wähler mobilisieren – und was diese Strukturen langfristig anstreben.

Kommunismus: Alter Wein in neuen Schläuchen

Der Kommunismus hat sich stets mit wohlfeil klingenden Worten verkauft, um Zustimmung zu erhalten. Er inszenierte sich als Friedensbewegung, er forderte höhere Löhne für die Arbeiter, propagierte Teilhabe von Minderheiten, etwa von Migranten oder sozial Schwachen, er präsentierte sich als Antifaschismus, als nationale Befreiung. Das Muster ist alt. Neu ist die Vielfalt der Etiketten, unter denen der Kommunismus heute firmiert: demokratischer Sozialismus, Klimaschutz, Antikapitalismus, „Care-Ökonomie“, Degrowth, ESG. Jedes dieser Etiketten transportiert für sich genommen zweifelhafte Anliegen – sie suggerieren allesamt, dass es gerecht und gleich zugeht.

Donald Trump hat das wie kein anderer verstanden. Er ist ein Self-made-Milliardär und hat den Kapitalismus geschickt zu seinen Gunsten genutzt. Damit steht er für die ureigene Selbstdefinition des amerikanischen Wirtschaftssystems: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem jeder, der will, vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Die US-amerikanische Wirtschaftsgeschichte ist voll erfolgreicher Beispiele dieser Art, die Familie Trump selbst gehört dazu. Der Sozialismus als Einstieg in den Kommunismus verspricht dagegen Bequemlichkeit. Der Einzelne muss selbst nicht tätig werden, er muss nur die richtige Partei wählen, die den Rest für ihn erledigt. Dieses Heilsversprechen ist toxisch. Der wirtschaftliche Niedergang der Staaten, die Kommunismus als Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept umsetzten, ist Legion. Trump kämpft also nicht ohne Grund. Er versteht, dass Kommunismus nicht nur wirtschaftlichen Niedergang bedeutet, sondern auch den Verlust individueller Freiheit.

Aber wir werden das niemals zulassen. […] Unsere amerikanischen Vorfahren haben ihr Blut nicht bei Concord und Trenton, Gettysburg und Shiloh, Midway und Normandy vergossen, nur damit eine Bande von Dieben und Radikalen kommen und die Nation plündern und verwüsten kann, die unsere Helden erkämpften, aufbauten und retteten. Also am Vorabend dieses 250. Jahrestags der amerikanischen Freiheit bekräftigen und schwören wir für alle hörbar, dass die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika den Kommunismus von unseren Ufern verbannen und ihn ein für alle Mal ins Exil schicken werden. Amerika wird niemals ein kommunistisches Land sein!

„But we will never let that happen. […] Our American Ancestors did not shed their blood at Concord and Trenton, Gettysburg and Shiloh, Midway and Normandy, just so that a band of thieves and radicals could come in and loot and pillage the nation our heroes died to win, build, and save. So on the eve of this 250th anniversary of American Liberty, we resolve and swear for all to hear that the Citizens of the United States of America will vanquish Communism from our shores, and send it into exile once and for all. America will never be a Communist country!“

— Donald Trump, Rede am Mount Rushmore, 3. Juli 2026. Übersetzung Loreley-Blog.

Man kann die destruktive Logik des Kommunismus nicht dadurch entschärfen, dass man sie in Wahlprogrammen abmildert. Die DSA selbst unterscheidet zwischen „demokratischem Sozialismus“ und „bürokratischem Sozialismus“ sowjetischer Prägung und beansprucht, aus den Fehlern des 20. Jahrhunderts gelernt zu haben. Das ist eine ernstzunehmende Selbstverortung. Sie ändert nichts an der historischen Erfahrung, dass jede kommunistische Bewegung des 20. Jahrhunderts mit genau diesem Anspruch begann – als demokratische, freiwillige, von unten getragene Alternative zum Ausbeutungssystem. Die Umwandlung in Zwangskollektivierung, Parteidiktatur und Terrorapparat war kein Betriebsunfall, sondern die praktische Konsequenz aus der Notwendigkeit, kollektives Eigentum gegen den Widerstand derer durchzusetzen, die etwas zu verlieren hatten.

Die Illusion, dass Kommunismus lernfähig sei

Man muss die eingangs genannte Bandbreite nicht bis zur letzten Stelle verteidigen, um den Punkt zu verstehen: Das ist keine Randnotiz der Geschichte, sondern die größte selbstverschuldete Opferbilanz eines politischen Systems in der Neuzeit. Wer heute für „Sozialismus“ wirbt, muss sich nicht persönlich für den Gulag rechtfertigen. Er muss aber erklären, warum sein Projekt dieses Mal anders enden soll – und diese Erklärung darf sich nicht auf die Behauptung reduzieren, man meine es diesmal ehrlicher.

Der Kommunismus ist eine tödliche Bedrohung für die amerikanische Freiheit. Er ist die größte Bedrohung für unser Land, einschließlich des Ersten Weltkriegs, des Zweiten Weltkriegs, Pearl Harbor oder 9/11. Weil der Kommunismus der Feind freier Menschen überall ist. Er ist der Feind der Verfassung. […] Der Kommunismus ist das genaue Gegenteil von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück – er ist Tod, Tyrannei und das Streben nach dem Bösen. Die gottlose kommunistische Moral besagt, dass alles gerechtfertigt ist, um die unmenschlichen Visionen zu verwirklichen, die sie vorschlagen. Sie haben keinen Respekt vor Gesetz, Gerechtigkeit, Prinzipien, Tradition oder Ihren gottgegebenen Rechten. Es ist eine Ideologie des Massendiebstahls, der Massenkontrolle, der Massenlügen und des Massenmords.

„Communism is a mortal threat to American liberty. It is the greatest threat to our country, including World War I, World War II, Pearl Harbor, or even 9-11. […] Because communism is the enemy of free people everywhere, everywhere in the world. […] It’s the enemy of the Constitution. […] Communism is the exact opposite of life, liberty, and the pursuit of happiness. It’s death, tyranny, and the pursuit of evil. The godless communist morality states that anything is justified to bring about inhuman visions […] They have no respect for law, justice, principle, tradition, or your God-given rights. It’s an ideology of mass theft, mass control, mass lies, and mass murder.“

— Donald Trump, Rede am Mount Rushmore, 3. Juli 2026. Übersetzung Loreley-Blog.

Warum fallen kommunistische Ideen gerade heute auf fruchtbaren Boden?

Die Ungleichheit in westlichen Gesellschaften ist real, die Wut auf eine Finanzoligarchie, die sich selbst bereichert, während Mieten und Lebenshaltungskosten explodieren, ist nicht erfunden. Diese Wut trifft allerdings selten die eigentliche Ursache. Internationale Eliten werden nicht in erster Linie deshalb reicher, weil „der Kapitalismus“ es so will, sondern weil globale Steuermodelle sehr große Vermögen systematisch schützen – über Firmenkonstruktionen, die für einen Normalverdiener praktisch nicht zugänglich sind: eine Holding in Delaware ohne Offenlegungspflicht für wirtschaftlich Berechtigte, eine Stiftung in Liechtenstein oder auf den Cayman Islands, die Vermögen formal dem Zugriff des Eigentümers entzieht und trotzdem in seinem Sinne verwaltet wird, oder Lizenzgebühren, die über Irland und die Niederlande geleitet werden, um Konzerngewinne dorthin zu verschieben, wo sie am wenigsten besteuert werden. Wer Vermögenskonzentration bekämpfen will, müsste an diesen Konstruktionen ansetzen. Das tun die Politiker aber nicht. Warum nicht? Es ist der machiavellistischen Geschicklichkeit des parteipolitisch-medial-NGO-Komplexes geschuldet, dass die Frustration der Menschen auf eine anonyme, nicht greifbare „Elite“ gelenkt wird, die sich realistisch betrachtet dafür nicht verantworten muss, solange ihr Reichtum legal erwirtschaftet wurde und die Steuergesetze beachtet werden. Die Lösung für dieses Problem ist der Sozialismus, die angebliche Gleichheit, die in Wahrheit eine Gleichmacherei ist und die Eliten stets ausgenommen hat. Anders als zur Zeit der russischen Oktoberrevolution sind die neuen Eliten nicht die Kader der Komintern, sondern bürgerliche, multinationale Unternehmer, die von sozialistischen Politikern geschützt und hofiert werden.

Die DSA-Funktionäre, die CNN im Herbst 2025 interviewte, sprachen von einem „Machtvakuum“ in der Demokratischen Partei, das ihre Bewegung fülle. Das ist eine treffende Diagnose der eigenen Konjunktur. Sie beschreibt eine Machtlücke in der Demokratischen Partei aufgrund des Verlusts ihrer demokratischen Werte.

Genau das macht den Reiz und die Gefahr der Umbenennung aus. Wer den Kapitalismus als Wurzel von Mietwucher, Klimakrise und Vermögenskonzentration benennt, muss nicht mehr erklären, warum Kollektivierung diesmal funktionieren soll. Er muss nur zeigen, dass das Bestehende versagt – und das gelingt gegenwärtig mühelos. Die eigentliche intellektuelle Leistung, die Systemalternative selbst zu rechtfertigen, wird durch das Feindbild ersetzt.

Paul Krugman als Feigenblatt des Kommunismus

Der stärkste Einwand lautet: Die heutige Bewegung ist pluralistisch, wahlbasiert und institutionell eingebunden – Mamdani gewann eine reguläre Bürgermeisterwahl gegen einen Milliardärs-Kandidaten, nicht durch Umsturz. Eine Bewegung, die sich Wahlen stellt und Niederlagen akzeptiert, unterscheidet sich strukturell von einer Partei, die die Machtübernahme als Einbahnstraße versteht. Wer, wie Krugman, argumentiert, dass die Mehrheit der Sympathisanten schlicht eine funktionierende Sozialdemokratie will, hat empirisch nicht unrecht – Verwechslung der Begriffe ist in der öffentlichen Debatte weit verbreitet, gerade weil „Sozialismus“ in den USA jahrzehntelang tabuisiert war und heute vor allem als Chiffre für sozialen Ausgleich fungiert. Diese Bewegungsdynamik veränderte in Europa sichtbar die einst liberalen Demokratien mit sozialstaatlichen Elementen hin zu einem Sozial- und Wohlfahrtsstaat, der sich mittlerweile in ein paternalistisches Staatsmodell sozialistischer Provenienz radikalisiert hat. Die Europäische Union (EU) trägt das ihrige dazu bei — mit übergriffiger Regulierung durch Gesetze und Verordnungen.

Was zurzeit als demokratischer Sozialismus, Klimagerechtigkeit oder Antikapitalismus auftritt, stellt die Machtfrage neu, indem es sozialistische Rezepte neu und mit harmlos klingenden Namen etikettiert. Und die Machtfrage lautet immer noch: Vergesellschaftung und Kontrolle von privatem Eigentum, durchgesetzt gegen den Widerstand der Vermögenden. Das ist Kommunismus. Sozialismus ist der Einstieg in die kommunistische Idee, nämlich dass der Staat oder das Kollektiv Eigentum und wirtschaftliche Ressourcen besser verwaltet als Individuen.

Loreley+

LORELEY+ • EXKLUSIV

Analysen, die über die Tagesaktualität hinausgehen.

EUR 5,90 / Monat

Als Gründungsabonnent dauerhaft – dieser Preis bleibt Ihrer, solange Ihr Abo läuft.

Investigative Serien
Exklusive Analysen

Keine Werbung
Direkter Zugang

Monatlich kündbar – kein Risiko.