
Victor Klemperer – LTI. Notizbuch eines Philologen

Fokus: Sprache der Herrschaft, Wortprägung, Selbstprüfung
Klemperer, als Jude vom Lehrstuhl vertrieben, führte zwischen 1933 und 1945 Tagebuch über die Sprache seiner Verfolger. Daraus wurde die Untersuchung der Lingua Tertii Imperii. Sein Gegenstand sind nicht die großen Reden, sondern die Wörter, Endungen und Superlative, die in Briefe, Formulare und Alltagsgespräche einsickerten. Eine Herrschaft, so Klemperer, setzt sich nicht zuerst durch Verbote durch, sondern indem sie das Vokabular austauscht, mit dem man über sie sprechen könnte. Am schärfsten ist das Buch dort, wo er einräumt, die Sprache habe auch ihn erreicht. Deshalb taugt LTI schlecht als Waffe gegen andere — es verlangt vom Leser, die eigenen fertigen Formeln zu prüfen.
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