
Standbild aus dem Interview von Generalmajor a. D. Gil mit Israel Hayom und Channel 12, zur Verfügung gestellt von UnXeptable. Der frühere Militärsekretär Netanjahus erhebt schwere Vorwürfe zur Darstellung des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023. Bildnachweis: UnXeptable / Loreley-Blog.
Ex-Militärsekretär gegen Netanjahu
Avi Gil: Netanjahus Darstellung des 7. Oktober ist nicht korrekt
Massive Anschuldigungen erhebt Generalmajor Avi Gil, der ehemalige Militärsekretär der Regierung Netanjahu, kurz vor der Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 gegenüber dem israelischen Ministerpräsidenten und seiner Regierung.
In einem Interview mit Israel Hayom und Channel 12 machte er dem Premierminister und seinem Umfeld schwere Vorwürfe: Netanjahus Darstellung der Ereignisse am 7. Oktober sei unvollständig bzw. falsch, offizielle Protokolle seien verfälscht worden. Gil sprach von „zu vielen Lügen“ und Halbwahrheiten rund um die Ereignisse des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel.
Nach israelischen Regierungsangaben waren bei dem Terrorangriff und an den folgenden Tagen mehr als 1.400 Menschen getötet worden. Mindestens 240 Menschen seien zudem von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt worden, darunter auch deutsche Staatsbürger. Israel reagierte mit einer militärischen Kampagne im Gazastreifen, die von Kritikern als „Genozid“ bezeichnet wird. Israel hat diesen Vorwurf stets zurückgewiesen.
Avi Gil sagte jetzt in dem TV-Interview, welches Loreley-Blog vorliegt, der damalige Stabschef Netanjahus Tzachi Braverman habe zum Beispiel eine Stenografin angewiesen, den Zeitpunkt eines Telefonats zwischen ihm und Ministerpräsident Netanjahu von 6:40 Uhr auf 6:29 Uhr zu ändern, um Erklärungen zu den Fragen nach dem Versagen aller Institutionen am 7.10.23 zu liefern.
Netanjahu habe politische Erwägungen, u.a. den Fortbestand seiner Regierung, über mögliche Geisel-Deals gestellt. Generalmajor Gil antwortet auf die Frage „Hätten also die israelischen Geiseln der Hamas schon viel früher heimkehren können, wenn Netanjahu aus politischen Motiven heraus das nicht verhindert hätte?“ direkt und ohne zu zögern mit „Ja“.
Netanjahu selbst kontert, Gil habe ihn am Morgen des 7. Oktober nicht rechtzeitig geweckt. Die Opposition fordert strafrechtliche Ermittlungen gegen Netanjahu – der Straftatbestand könnte bis zu Hochverrat lauten.
Gil betont, er habe bisher geschwiegen, weil er auf eine staatliche Untersuchungskommission gehofft habe, die aber nicht eingesetzt worden sei. Angeblich sei dies durch die Regierung Netanjahus bislang verhindert worden.
Gil, einst Netanjahus engster militärischer Mitarbeiter, äußerte sich auch zu Berichten, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, habe Netanjahu vor einem Hamas-Angriff gewarnt. Bestätigen konnte er das nicht – er sei bei dem fraglichen Gespräch nicht im Büro gewesen. Sollten sich Gils Vorwürfe erhärten, würden sie das politische Ende Netanjahus bedeuten. Würden sie in einem Strafverfahren bewiesen, drohte dem israelischen Ministerpräsidenten eine lange Haftstrafe.




