Jürgen Elsässer in einem Fernsehstudio, im Hintergrund unscharf eine gedeckte Tafel mit Gästen (KI-generierte Illustration).
Jürgen Elsässer

KI-generierte Illustration von Jürgen Elsässer bei der Eröffnung des Compact-Studios in Magdeburg am 8. Oktober 2026. Zwei Tage zuvor hatte der Landtag erstmals einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)

Compact-Abend in Magdeburg

Elsässers Scoop: AfD und BSW an einem Tisch

Magdeburg – Zwei Tage, nachdem das BSW den ersten AfD-Landtagspräsidenten Deutschlands mitgewählt hatte, saßen beide Fraktionen am Tisch des Compact-Chefredakteurs Jürgen Elsässer. Die Bild-Zeitung macht daraus eine BSW-Krise. Die AfD-Gäste nennt sie beim Namen,hinterfragte aber nicht ihre Anwesenheit. Den eigentlichen Treffer landete der Gastgeber.

Am 8. Oktober eröffnete das Magazin Compact in Magdeburg ein eigenes TV-Studio. Nach dem offiziellen Teil blieben Abgeordnete zum Essen. Elsässer sprach laut Bild von einem historischen Treffen mit 25 Abgeordneten: 20 von der AfD, fünf vom BSW – die gesamte BSW-Fraktion.

Am Tisch saßen nach dem Bild-Bericht vom 11. Oktober Landtagspräsident Tobias Rausch, AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner und Landtagsvize Hans-Thomas Tillschneider, für das BSW das Spitzenduo Claudia Wittig und Thomas Schulze. Dazu kamen Diether Dehm, früher Vize der Linken, und der frühere AfD-Landeschef André Poggenburg.

Compact selbst schrieb auf seiner Website, der Abend habe dem Kennenlernen gedient und strategische Fragen klären sollen. Der Zeitpunkt gibt dem Gewicht: Am 6. Oktober war Rausch mit 48 Stimmen gewählt worden. Das BSW hatte seine Unterstützung vorab angekündigt.

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Bild fragt nur beim BSW nach

Am Sonntagabend ließ Bild AfD und BSW noch mit Elsässer dinieren. Die Adresse des Artikels lautet inzwischen auf „Saufgelage mit AfD und Elsässer – jetzt kracht’s im BSW“. Auf den Fotos prosten Politiker beider Fraktionen einander zu; den Krach verortet die Zeile allein beim BSW.

Drei AfD-Politiker nennt Bild beim Namen, zu Wort kommt keiner. Befragt wurden Wittig und Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Wittig nannte es gegenüber dem Blatt unklug, zum Essen geblieben zu sein. Wagenknecht erklärte gemeinsame Abendessen für völlig daneben.

Die Schlagseite folgt dem Nachrichtenwert. Für die AfD ist Elsässer vertrautes Terrain: Auf einem Landesparteitag in Magdeburg nannte er die Beziehungen zum Landesverband seit Jahren herzlich und brüderlich. Ein Dinner mit ihm erzeugt dort keinen Konflikt.

Beim BSW schon. Bundeschef Fabio De Masi warnte laut Bild vor dem Eindruck einer privilegierten Partnerschaft mit der AfD. Wagenknecht hatte im Februar 2023 laut Leipziger Zeitung geschrieben: „Wer Compact Interview gibt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick, Mitglied der BSW-Grundwertekommission, verlangte auf X eine Kurskorrektur.

Elsässers Abend: Falle oder Scoop?

Aus dem Parteiumfeld heißt es laut Bild, in Berlin habe man den Eindruck, den Sachsen-Anhaltern sei eine Falle gestellt worden. Ob der Abend eine gezielte Provokation war, lässt das Blatt selbst offen. Belegt ist der Vorlauf: Im Mai fragte Elsässer Wittig auf X nach einem Interview, sie sagte zu.

Ein von ihm moderiertes Streitgespräch mit Kirchner auf dem Compact-Sommerfest sagte das BSW Ende Juli wieder ab. Im selben Monat hatte AfD-Chefin Alice Weidel den BSW-Vorschlag gemeinsamer Wahlkampfauftritte abgelehnt, wie der Spiegel berichtete.

Der Abend fällt in die Wochen vor der Ministerpräsidentenwahl. Ulrich Siegmund will sich Mitte Dezember zur Wahl stellen, die AfD sucht dafür Stimmen beim BSW. Beide Fraktionen kommen zusammen auf 44 von 83 Sitzen. Die Korrektur kam aus der Berliner Parteizentrale, die Fraktion in Magdeburg folgte binnen drei Tagen.

Politisch war der Abend für die fünf BSW-Abgeordneten ein Anfängerfehler. Zur Eröffnung eines Studios zu gehen, lässt sich als Pressetermin erklären. Wer danach zum privaten Essen bleibt, liefert das Bild der Vereinnahmung gleich mit. Ob das geboten oder verboten ist, entscheidet hier nichts – es macht angreifbar, und Bild hat zugegriffen. Elsässer hat, was Weidel im Juli verweigerte: beide Fraktionen an einem Tisch, mit Foto.

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