
Fed-Chef Kevin Warsh hob am 16. September 2026 den Leitzins auf 3,75 bis 4 Prozent an, erstmals seit 2023. Das Weiße Haus nannte die Entscheidung bedauerlich. Bild: KI-generierte Illustration (Loreley-Blog), keine Originalaufnahme.
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Veröffentlicht im November 2026
Zeitenwende für den US-Dollar?
Lesezeit: 4 Minuten · Reihe „Der Dollar-Umbau“ · Teil 1 von 4 · Frei zugänglich
Gold hat seit seinem Rekord im Januar 2026 rund 29 Prozent verloren, der Dollar hat zugelegt. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unter Kevin Warsh hob am 16. September den Leitzins an, erstmals seit 2023. Die Golfstaaten bauen trotzdem US-Staatsanleihen ab.
Die Fed hob am 16. September erstmals seit 2023 den Leitzins an
Am 16. September 2026 erhöhte der Offenmarktausschuss der Fed den Leitzins einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh, seit Mai im Amt, sagte, der Schritt unterstütze eine „zeitnähere Rückkehr“ zum Inflationsziel von 2 Prozent. Das Weiße Haus nannte die Entscheidung bedauerlich und machte den Energieschock des Iran-Kriegs für die Teuerung verantwortlich. Am 28. Oktober ließ die Fed den Satz unverändert, für Dezember erwarten die Märkte die nächste Erhöhung.
Warsh reagiert auf diese Zahlen: Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Benzin allein im Monat um 9,1 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag Mitte Oktober bei rund 5,3 Prozent. Wer Geld in Dollar anlegt, bekommt dafür so viel Zins wie seit Jahren nicht.
Gold verlor seit Januar rund 29 Prozent, der Dollar legte zu
Im Januar 2026 kostete eine Unze Gold rund 5.600 Dollar, so viel wie nie zuvor. Ende Oktober waren es etwa 4.000 Dollar. Laut Marktberichten steuert Gold auf den größten Jahresverlust seit elf Jahren zu. Die Begründung der Analysten: Der Ölpreis treibt die US-Zinsen, die Zinsen treiben den Dollar, und Gold bringt keine Zinsen. Der Euro fiel am 30. Oktober auf 1,1163 Dollar, den tiefsten Stand seit Mai.
Im Frühjahr 2026 sah es umgekehrt aus: Gold stand nahe am Rekord, der Dollar war schwach. Die alte Regel, dass der Dollar bei jedem Krieg im Mittleren Osten steigt, schien gebrochen. Seit dem Sommer gilt sie wieder.
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Die Golfstaaten bauen US-Anleihen ab, obwohl der Dollar steigt
Gewonnen hat der Dollar mit Zinsen, nicht mit Vertrauen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im März zusammen fast 17 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen abgebaut, weil der Krieg ihre Ölausfuhren und damit ihre wichtigste Dollar-Einnahme getroffen hat. Der Anteil des Dollars an den Devisenreserven der Notenbanken weltweit sank im zweiten Quartal nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds von 57,2 auf 56,7 Prozent.
Die Petrodollar-Ordnung der Jahre nach 1974 beruhte auf einem Tausch: Die Golfstaaten verkauften ihr Öl in Dollar und legten die Überschüsse in US-Staatsanleihen an, die USA hielten dafür die Straße von Hormus offen. Diese Gegenleistung ist 2026 ausgefallen. Die US-Eskortmission „Project Freedom“ wurde Anfang Mai nach zwei Tagen ausgesetzt. Nach Zählung des Dienstes straits.live ist die Wasserstraße am 7. November seit 251 Tagen gesperrt. Am Devisenmarkt steht der Dollar weiter auf einer Seite von 89,2 Prozent aller Geschäfte, so die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im April 2025. Seine Stärke im Herbst 2026 geht auf die Zinsen der Fed zurück.
Volcker hob den Leitzins 1981 auf 20 Prozent, und der Dollar stieg bis 1985
Im Oktober 1973 verhängten die arabischen Förderländer ein Ölembargo gegen die USA und andere Unterstützer Israels. Bis Januar 1974 vervierfachte sich der Ölpreis. Die Fed unter Arthur Burns ließ die Inflation laufen: 1974 stiegen die Verbraucherpreise in den USA um rund 11 Prozent, 1980 um 13,5 Prozent.
Paul Volcker, ab August 1979 Fed-Chef, beendete das mit Zinsen. Der Leitzins stieg bis 1981 auf rund 20 Prozent, die Inflation fiel bis 1983 auf 3,2 Prozent. Kapital aus aller Welt floss in den Dollar. Er stieg so stark, dass die USA am 22. September 1985 mit Japan, der Bundesrepublik, Frankreich und Großbritannien im New Yorker Plaza-Hotel seine Abwertung vereinbarten. Auf dieses Plaza-Abkommen beruft sich die Trump-Regierung, wenn sie den Dollar schwächen will.
Warsh hat im September zum ersten Mal seit 2023 den Weg über die Zinsen gewählt, gegen den Willen des Weißen Hauses. Die Inflation liegt bei 3,7 Prozent, nicht bei 13,5 wie 1980.
Wie aus dem Öl der 1970er Jahre Dollar und aus den Dollar US-Staatsanleihen wurden, wurde im Juli 1974 verhandelt. In jenem Monat flog US-Finanzminister William Simon nach Dschidda. Was er dort mit der saudischen Regierung vereinbarte, blieb bis 2016 vertraulich.
Teil 4 der Reihe: Die Europäische Union – als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Die Teile 2 und 3 folgen.




