
Thomas P. M. Barnett – Drehbuch für den 3. Weltkrieg

Fokus: Leviathan und Systemadministrator, Nachkriegsordnung, Umsetzung der Kern-Lücke-Strategie
2005 legte Thomas P. M. Barnett mit „Blueprint for Action. A Future Worth Creating“ die Fortsetzung zu „The Pentagon’s New Map“ vor. Die deutsche Ausgabe erschien 2016 im J-K-Fischer-Verlag unter dem Titel „Drehbuch für den 3. Weltkrieg. Die zukünftige neue Weltordnung“, 425 Seiten. Auch hier stammt die Zuspitzung vom deutschen Verlag – der Originaltitel spricht von einer Zukunft, die es wert sei, geschaffen zu werden. In die Rubrik gehört der Band, weil er aus der Weltkarte des ersten Buches einen Bauplan macht.
Zusammenfassung für Eilige
Barnett beschreibt, wie die USA die „Lücke“ der nicht globalisierten Staaten an den „Kern“ der Weltwirtschaft anschließen sollen. Dafür verlangt er zwei getrennte Streitkräfte: einen „Leviathan“, der Kriege schnell und mit überwältigender Gewalt gewinnt, und einen „Systemadministrator“, der danach Ordnung, Verwaltung und Wirtschaft aufbaut. Die zweite Aufgabe soll der gesamte Kern tragen, nicht Amerika allein.
Erst die Karte, dann der Bauplan
Das erste Buch lieferte die Vision, das zweite sollte die Struktur liefern. So beschrieb es der Blogger Mark Safranski auf zenpundit, dem Barnett vorab ein Rezensionsexemplar geschickt hatte. Barnett verließ 2005 den Staatsdienst und wechselte in die Privatwirtschaft. Der Band kreist um die Frage, die der Irakkrieg aufgeworfen hatte: Was geschieht am Tag nach dem Sieg?
Zwei Armeen für zwei Aufgaben
Der Leviathan ist für den schnellen Sieg zuständig. Er besteht vorwiegend aus jungen, angriffsorientierten Soldaten und ist überwiegend amerikanisch. Der Systemadministrator übernimmt den Wiederaufbau und funktioniert nach Barnett am besten als gemeinsame Truppe aller Kernstaaten. Krieg und Frieden werden damit zu zwei Phasen derselben Operation, die nacheinander von verschiedenen Kräften erledigt werden.
Europas Platz in Barnetts Plan
An dieser Stelle berührt das Buch Deutschland unmittelbar. Barnett rechnet Europa zum Kern und weist ihm damit den zweiten Teil der Arbeit zu: den langen, teuren Wiederaufbau nach Kriegen, die überwiegend amerikanische Truppen führen. Damit beschreibt er eine Arbeitsteilung, in der die Kampfeinsätze bei den USA und die Stabilisierung nach dem Krieg bei den Verbündeten liegen.
Lesbar nur mit dem ersten Band
Die Kritik fiel scharf aus. Phyllis Eckhaus, ständige Mitarbeiterin der Chicagoer Zeitschrift In These Times, hielt Barnett im November 2005 vor, ausgerechnet Kriegsgegner als Hauptschuldige dafür zu bezeichnen, dass die Lücke nicht an den Kern angeschlossen werde. Der Band setzt das erste Buch voraus und wiederholt dessen Grundgedanken ausführlich; „Der Weg in die Weltdiktatur“ sollte man vorher kennen. Für Leser mit Interesse an Militärplanung und an der Frage, wie Interventionen enden sollen, ist er die konkretere der beiden Schriften.
Loreley-Einordnung
Barnetts zweites Buch beantwortet die Frage, die Fukuyamas „Scheitert Amerika?“ am Irakkrieg aufwirft, mit einem Organisationsmodell statt mit einem Umdenken. Es zeigt, wie Barnett auf das Scheitern im Irak reagierte: mit einer besseren Maschine für den nächsten Einsatz. Lesenswert als Quelle, gerade weil Barnett die Arbeitsteilung zwischen amerikanischer Kriegführung und europäischem Wiederaufbau offen ausspricht.
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