KI-generierte Illustration: Anna Paulina Luna spricht mit Mikrofon auf einer Wahlkampfbühne vor amerikanischen Flaggen, Anhänger von hinten mit erhobenen Handys, Nachrichtenfoto-Stil.
Anna Paulina Luna – Wahlkampfauftritt Florida 2026

Anna Paulina Luna, seit 2023 republikanische Abgeordnete für den 13. Bezirk Floridas, kämpft am 3. November 2026 um ihr drittes Mandat. Umfragen sehen sie gleichauf mit der Demokratin Leela Gray; die Demokraten führen den Bezirk auf ihrer Liste der zu erobernden Sitze. 2022 gewann Luna mit acht Punkten Vorsprung gegen einen Gegner, der zwölf Mal so viel Geld ausgab wie sie.

Bild: KI-generierte Illustration (Loreley-Blog), keine Originalaufnahme. Die Zuhörer sind fiktiv.

Veröffentlicht im Oktober 2026

Anna Paulina Luna zwingt ihren eigenen Speaker zur Abstimmung. Deutsche Parteitage sortieren solche Kandidatinnen aus

Lesezeit: 9 Minuten

Zwölf Tage vor der Kongresswahl am 3. November 2026 liegt Anna Paulina Luna in ihrem Wahlkreis an der Westküste Floridas gleichauf mit ihrer demokratischen Gegnerin Leela Gray. Eine Umfrage im Auftrag des demokratischen House Majority PAC sieht Gray mit 51 zu 46 Prozent vorn, Grays eigene Zahlen zeigen ein Patt. Die Demokraten führen den Bezirk auf ihrer Liste der zu erobernden Sitze. Luna, 37 Jahre alt, Republikanerin, zwei Mal gewählt, kämpft um ihr drittes Mandat – und sie kämpft zugleich seit drei Jahren gegen die Führung ihrer eigenen Partei. Für mich ist sie eine Powerfrau: Sie hat frischen Wind in eine männliche und leicht überalterte republikanische Fraktion gebracht. Der Text zeigt, was sie dafür getan hat, und fragt danach, warum es eine Frau wie sie im Deutschen Bundestag nicht gibt.

Aufgewachsen mit Sozialhilfe, mit 20 bei der Air Force

Luna wurde 1989 als Anna Paulina Mayerhofer in Südkalifornien geboren. Die Eltern waren nie verheiratet, die Mutter zog allein, die Familie lebte nach Angaben der Mutter von staatlicher Unterstützung. Der Vater, halb Mexikaner, halb Deutscher, saß nach Gerichtsakten, die das Magazin Time 2023 auswertete, mindestens fünf Mal im Bezirksgefängnis von Orange County, unter anderem wegen Drogenbesitzes und Körperverletzung. Der Großvater väterlicherseits war aus Deutschland eingewandert; als Jugendlicher hatte er in der Wehrmacht gedient. Die Schule schloss Luna über ein Programm für Erwachsenenbildung ab, weil sie so oft die Schule gewechselt hatte, dass ein regulärer Abschluss nicht mehr möglich war.

Mit 19 Jahren fuhr sie zu einem Rekrutierungsbüro und verpflichtete sich bei der Air Force. Dort diente sie von 2009 bis 2014. Mit 20 heiratete sie den Soldaten Andrew Gamberzky, der 2014 in Afghanistan angeschossen wurde und mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurückkam. Luna brach ihr Studium ab, um ihn zu versorgen, und verdiente das Geld als Kellnerin in einem Herrenclub und als Bademodenmodel für Maxim und Sports Illustrated. 2017 schloss sie ihr Biologiestudium an der University of West Florida ab und bereitete sich auf das Medizinstudium vor. 2019 nahm sie den Mädchennamen ihrer Großmutter an: Luna.

1,3 Millionen Follower vor dem ersten Tag im Kongress

Politisch wurde Luna nach eigener Aussage im Januar 2016 bei einer Kundgebung von Donald Trump in Pensacola, zu der sie mit ihrem Vater ging. Es ging um die Grenze zu Mexiko. Auf Instagram baute sie sich mit Videos zur Grenzpolitik ein Publikum auf. 2018 fiel eines dieser Videos Charlie Kirk auf, dem Gründer der konservativen Jugendorganisation Turning Point USA, der im September 2025 in Utah erschossen wurde. Kirk bot ihr die Leitung der Hispanic-Arbeit seiner Organisation an. Luna sagte den Medizinstudienplatz auf Grenada ab. Bei Turning Point lernte sie, was Kirk „virale Momente“ nannte: Auftritte an Universitäten, gefilmte Streitgespräche mit Studenten, Fernsehinterviews, in denen sie Hillary Clinton mit Herpes verglich. 2019 stellte sie am Flughafen die damalige Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris und ließ die Szene von einem Fremden filmen.

2020 kandidierte sie zum ersten Mal für den Kongress und verlor gegen den demokratischen Amtsinhaber Charlie Crist. In der republikanischen Vorwahl hatte sie aber den Kandidaten geschlagen, den der damalige Fraktionschef Kevin McCarthy unterstützte, und über zwei Millionen Dollar an Spenden gesammelt, im Durchschnitt 13 Dollar pro Spende. 2022, nach dem Neuzuschnitt des Wahlkreises, gewann sie mit acht Punkten Vorsprung gegen einen Gegner, der zwölf Mal so viel Geld ausgab wie sie. Trump und der Gouverneur Floridas, Ron DeSantis, hatten sie beide unterstützt, obwohl sie da schon Rivalen waren. Als sie im Januar 2023 vereidigt wurde, hatte sie nach Zählung von Time über alle Plattformen hinweg mehr als 1,3 Millionen Follower, die höchste Zahl unter den republikanischen Neulingen dieses Jahrgangs. Time nannte sie die erste Influencerin, die ein Online-Publikum in einen Sitz im Kongress verwandelt hat – der umgekehrte Weg zu Alexandria Ocasio-Cortez oder Marjorie Taylor Greene, die erst das Mandat hatten und dann die Reichweite.

Zwanzig Republikaner stimmten gegen sie, sechs Tage später keiner mehr

Die Fraktion der Republikaner im Repräsentantenhaus ist das Gegenteil von Lunas Lebenslauf. Das Durchschnittsalter des Hauses lag zu Beginn der Wahlperiode 2025 bei 57,9 Jahren; unter den 220 Republikanern saßen 33 Frauen, 15 Prozent. Luna war 2023 die jüngste Republikanerin im Haus, die erste Mexikoamerikanerin aus Florida im Kongress und die einzige schwangere Abgeordnete.

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Ihren ersten Kampf gegen die eigene Führung führte sie im Juni 2023. Sie brachte eine Rüge (Censure) gegen den Demokraten Adam Schiff ein, der Trumps erstes Amtsenthebungsverfahren geleitet hatte. Zwanzig Republikaner stimmten mit den Demokraten und blockierten den Antrag. Luna mobilisierte über Steve Bannon, Charlie Kirk und einen Aktivisten mit dem Namen DC_Draino, der die Bürotelefonnummern der zwanzig veröffentlichte. Sechs Tage später stimmte das Haus erneut ab: 213 zu 209, kein einziger Republikaner stimmte dagegen. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Mike Turner, einer der zwanzig, hatte sie vorher im Plenum angesprochen und gefragt, wie man zusammenarbeiten könne.

Johnson sagte die Abstimmungen ab, Luna bekam ihren Kompromiss

Im Frühjahr 2025 ging sie weiter. Luna hatte 2023 während ihrer ersten Amtsperiode ein Kind bekommen und wollte, dass Abgeordnete nach einer Geburt zwölf Wochen lang per Stellvertreter abstimmen dürfen (Proxy Voting). Speaker Mike Johnson, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, nannte das verfassungswidrig. Luna griff zu einem Instrument, das der Bundestag nicht kennt: der Discharge Petition. Wer 218 Unterschriften sammelt, die Mehrheit der 435 Abgeordneten, kann einen Gesetzentwurf gegen den Willen der Fraktionsführung ins Plenum zwingen. Luna bekam die Unterschriften, mit den Demokraten und einigen Republikanern. Als die Freedom Caucus, die Gruppe der rechten Republikaner, der sie selbst angehörte, Johnson drängte, den Antrag zu beerdigen, trat Luna am 31. März 2025 aus. Sie schrieb, der Speaker werde erpresst. Am 1. April stimmte das Haus über Johnsons Sperrvorschrift ab; neun Republikaner und alle Demokraten lehnten sie ab. Johnson sagte daraufhin die Abstimmungen der ganzen Woche ab und einigte sich am Sonntag darauf mit Luna auf eine Regelung, bei der sich abwesende Abgeordnete paarweise neutralisieren. Trump hatte sich inzwischen für Lunas Vorschlag ausgesprochen.

Im September 2025 legte sie die zweite Discharge Petition dieser Wahlperiode vor, diesmal für ein Verbot des Aktienhandels für Abgeordnete, ihre Ehepartner und Kinder. Auf dem Parteitag der Republikaner hatte sie dafür geworben: Die Amerikaner hätten einen republikanischen Kongress gewählt, um Washington zu reparieren, nicht um daran zu verdienen. Gegenüber CNN sagte sie, das Instrument habe sie im Repräsentantenhaus unbeliebt gemacht und beim amerikanischen Volk beliebt. Seit Februar 2025 leitet sie außerdem im Kontrollausschuss (Oversight Committee) die Arbeitsgruppe zur Freigabe von Regierungsgeheimnissen: die Akten zu den Attentaten auf John F. Kennedy, Robert Kennedy und Martin Luther King, die Epstein-Akten, die Herkunft von Covid-19.

Das Pentagon, die Drohnenfirma und der Ehemann

Zum Bild gehört, was das Magazin Mother Jones am 22. Oktober 2026 veröffentlicht hat: Lunas Ehemann hält nach ihrer eigenen Vermögenserklärung für 2025 zehn Prozent an der Drohnenfirma Nokturnal AI, bis Juni 2026 OKSI Ventures. Die Firma erhielt 2026 Pentagon-Aufträge über 37 Millionen Dollar, einen davon aus einem Beschaffungsprogramm, für das Luna im Verteidigungshaushalt gestimmt hatte. Mother Jones schreibt selbst, es gebe keinen Beleg dafür, dass Luna für die Firma bei einer Behörde interveniert hätte. Die Frau, die den Aktienhandel im Kongress verbieten will, muss jetzt erklären, warum das Drohnengeschäft ihres Mannes etwas anderes ist. Wie sie das tut, wird sich vor dem 3. November zeigen.

Zwölf Prozent Frauen, 51 Jahre im Schnitt: die AfD-Fraktion

Wer in Deutschland nach einer Luna sucht, landet bei der Partei, die am ehesten ihre Themen vertritt. Die AfD-Fraktion im Bundestag hat nach der Wahl vom Februar 2025 einen Frauenanteil von zwölf Prozent, den niedrigsten aller Fraktionen, und mit 50,7 Jahren das höchste Durchschnittsalter. Die Unionsfraktion desselben Bundestages kommt auf 23 Prozent Frauen. Die Fraktion der Republikaner im Repräsentantenhaus ist damit im Vergleich kein Sonderfall, die AfD ist noch männlicher und noch älter.

Die bekannteste konservative Politikerin des Landes ist Alice Weidel, 47, promovierte Volkswirtin, früher bei Goldman Sachs, seit 2022 Parteivorsitzende und 2025 Kanzlerkandidatin einer Partei, die 20,8 Prozent holte. Weidel ist die Führung. Sie hat nie gegen eine Fraktionsspitze gekämpft, sie ist die Fraktionsspitze. Beatrix von Storch, 55, Herzogin von Oldenburg, seit 2017 im Bundestag, ist der Partei länger verbunden als fast jeder andere Abgeordnete. Beide sind das Gegenstück zu Luna: Sie kamen von oben in die Partei, Luna kam von unten in die Fraktion.

Mary Khan, Marie-Thérèse Kaiser, Caroline Bosbach: drei Anläufe

Näher an Lunas Profil sind drei jüngere Frauen, und an ihnen lässt sich ablesen, was das deutsche System mit einer solchen Biografie macht.

Mary Khan-Hohloch, geboren 1994 in Frankfurt, Tochter eines aus Pakistan stammenden Islamkritikers, seit 2016 in der AfD, sitzt seit Juli 2024 im Europäischen Parlament. Sie kam dort über Platz 14 der Bundesliste hinein, in Straßburg sitzt sie im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten. Khan ist die einzige deutsche Politikerin mit einem Luna vergleichbaren Hintergrund, Migrantentochter und Migrationskritikerin zugleich. Außerhalb der Partei kennt sie kaum jemand.

Marie-Thérèse Kaiser, geboren 1996, Model, Kandidatin bei Miss Bremen, AfD-Kreisvorsitzende in Rotenburg an der Wümme, ist die deutsche Politikerin, deren Weg dem Lunas am nächsten kommt: Laufsteg, Instagram, Grenzpolitik, Auftritte bei den „Merkel muss weg“-Demonstrationen in Hamburg. Die niedersächsische AfD setzte sie weder 2021 noch 2025 auf die Landesliste. Auf der Europawahlversammlung in Magdeburg im August 2023 fiel sie bei der Abstimmung durch. Das Landgericht Verden bestätigte im Mai 2024 ihre Verurteilung wegen Volksverhetzung für einen Facebook-Beitrag aus dem Bundestagswahlkampf 2021 über Afghanen und Gruppenvergewaltigungen; Kaiser und ihre Unterstützer sagen, sie habe amtliche Statistiken zitiert. Sie arbeitet als Mitarbeiterin des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann. Eine Frau mit Lunas Methoden endet in Deutschland mit einer Vorstrafe und ohne Listenplatz.

Caroline Bosbach, CDU, geboren 1989 wie Luna, zog im Februar 2025 mit 42,2 Prozent der Erststimmen über das Direktmandat Rheinisch-Bergischer Kreis in den Bundestag ein. Politisiert wurde sie 2015 bei der Arbeit in einer Flüchtlingsunterkunft, ihr Buch heißt „Zeit für Mut – Warum wir Deutschland nicht links liegen lassen dürfen“. Der Wahlkreis gehörte von 1994 bis 2017 ihrem Vater Wolfgang Bosbach. Seit Juli 2025 steht sie unter dem Vorwurf, 2.500 Euro Parteigeld angenommen und 2023 bei einer Wahl in der Mittelstandsvereinigung Stimmen gekauft zu haben; die Staatsanwaltschaft Köln hat Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts des gemeinschaftlichen Betrugs aufgenommen. Bosbach weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einer Schmutzkampagne. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens steht ihr Weg ins Parlament fest: Das Direktmandat ging an die Tochter des Mannes, der es 23 Jahre lang hielt.

In Amerika entscheidet die Vorwahl, in Deutschland der Parteitag

Luna hat 2020 den Kandidaten geschlagen, den die Fraktionsführung wollte, und zwar in einer offenen Vorwahl, in der jeder registrierte Republikaner ihres Bezirks abstimmen durfte. In Deutschland entscheiden Delegierte eines Parteitags, wer auf die Landesliste kommt und auf welchen Platz. Kaiser ist zwei Mal an diesen Delegierten gescheitert. Khan kam auf Platz 14. Bosbach erbte einen Wahlkreis. Das Grundgesetz garantiert in Artikel 38 das freie Mandat; über die Tagesordnung des Bundestages entscheiden in der Praxis die Fraktionsführungen im Ältestenrat, und eine Abgeordnete, die ihre Fraktionsspitze mit Unterschriften zur Abstimmung zwingen wollte, fände dafür kein Verfahren.

Ich gehe davon aus, dass eine Frau mit Lunas Lebenslauf, mit Sozialhilfe, Herrenclub und 1,3 Millionen Followern, in Deutschland auf keiner Landesliste stünde. Das Typische der Parteiendemokratie ist, dass die Parteien ihre eigene Reihenfolge schützen: Wer stört, kommt nicht auf die Liste, wer brav wartet, rückt nach. Die amerikanische Vorwahl hebelt das aus, die deutsche Listenaufstellung zementiert es. Deshalb hat die republikanische Fraktion eine Luna und die AfD-Fraktion zwölf Prozent Frauen und ein Durchschnittsalter von 51 Jahren.

Am 3. November 2026 entscheiden die Wähler im 13. Bezirk Floridas, ob Luna bleibt. Nach der Rüge gegen Schiff rief sie den Demokraten über den Gang zu: „Keine Sorge, Leute, ich bin noch zwei Jahre hier.“ Diesmal entscheiden das nicht die Parteifreunde.

Was Luna erzwang, was in Deutschland möglich ist
2020: Vorwahl
Luna schlägt den Kandidaten der Fraktionsführung in der offenen Vorwahl. In Deutschland vergibt der Parteitag den Listenplatz.


Juni 2023: Rüge gegen Schiff
Erste Abstimmung verloren, sechs Tage später 213:209 gewonnen. Im Bundestag kommt ein Antrag ohne Fraktion nicht auf die Tagesordnung.


April 2025: Discharge Petition
218 Unterschriften zwingen Speaker Johnson zum Kompromiss. Gegen die eigene Fraktionsführung kennt die Geschäftsordnung des Bundestages kein solches Verfahren.


Die deutschen Vergleichsfälle
Kaiser (AfD): 2021, 2023, 2025 ohne Listenplatz. Khan (AfD): Platz 14 der Bundesliste. Bosbach (CDU): Wahlkreis des Vaters.