KI-generierte Illustration: Donald Trump und Keir Starmer an zwei Rednerpulten vor dem Landsitz Chequers, Flaggen der USA und Großbritanniens, Nachrichtenfoto-Stil.
Trump und Starmer in Chequers, 18. September 2025

Donald Trump und Keir Starmer am 18. September 2025 in Chequers. Drei Tage später erkannte Starmer den Staat Palästina an – gegen den erklärten Willen Trumps. Seit Trump ziehen die US-Regierung und die Downing Street nicht mehr an einem Strang. Bild: KI-generierte Illustration (Loreley-Blog), keine Originalaufnahme.

Veröffentlicht im November 2026

Das Britische Empire zog 1946 nach Washington um

Seit Trump ziehen die US-Regierung und die Downing Street in London nicht mehr an einem Strang

Lesezeit: 12 Minuten

Ein Post läuft seit Wochen durch Telegram und X, in deutscher Übersetzung, ohne Autor. Seine These: Das britische Empire kontrolliere seit dem Ersten Weltkrieg die Weltordnung, und Trump zerlege es – indem er Iran von Sanktionen befreie, den Irak energiesouverän mache und mit Moskau und Peking eine Rohstoffachse außerhalb des Dollars baue. Die eine Hälfte des Posts hat Belege. Die andere Hälfte stammt aus einer Zeit vor dem 28. Februar 2026.

Der Post beschreibt einen Trump, den es seit dem 28. Februar 2026 nicht mehr gibt

An diesem Tag begannen die USA und Israel ihren Krieg gegen Iran. Die ersten Schläge töteten Revolutionsführer Ali Khamenei; Trump erklärte am selben Tag den Sturz der Regierung in Teheran zum Ziel. Seit April liegt die US-Marine als Blockade vor den iranischen Häfen, und nach Angaben des Finanzministeriums wurde im Oktober keine einzige Ladung iranischen Öls mehr gelöscht. Am 29. März sagte Trump, er würde lieber „das Öl in Iran nehmen“, und schlug vor, die Exportinsel Kharg zu besetzen. In der Nacht zum 3. November trafen US-Jets eine Flugabwehrstellung auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus; Trump nannte das bei Fox News „einen kleineren Angriff, das war kein Krieg“. Am selben Tag verloren die Republikaner die Kongresswahl, die Demokraten stellen ab Januar in beiden Kammern die Mehrheit. Vizepräsident J. D. Vance schrieb am 4. November: „Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg.“ Trump sagte am selben Tag, wenn er es noch einmal zu tun hätte, würde er es wieder tun.

Venezuela ging voraus. Am 3. Januar 2026 nahm ein US-Kommando Präsident Nicolás Maduro in Caracas gefangen. Trump kündigte an, die USA würden „das Land führen“, und die großen amerikanischen Ölkonzerne würden hineingehen; im August unterzeichnete die Übergangsregierung ein Abkommen, das den USA Vorzugszugang zu venezolanischen Ölfeldern gibt.

Beim Dollar dasselbe Muster. Der GENIUS Act vom Juli 2025 regelt Stablecoins (Digitalwährungen, die eins zu eins an den Dollar gekoppelt sind): Ihre Herausgeber dürfen als Deckung nur kurzlaufende US-Staatsanleihen, Dollareinlagen bei US-Banken und darauf gestützte Pensionsgeschäfte halten. Finanzminister Scott Bessent nannte das Gesetz einen Meilenstein für die „Dollar-Supremacy“ (Dollar-Vorherrschaft). Den BRICS-Staaten drohte Trump 100 Prozent Zoll, falls sie den Dollar ersetzen. Iran, Venezuela, Dollar: Trump hat sein Programm am 20. Januar 2017 ausgerufen, und es heißt America First.

Wo der Post recht hat: Der Steuerflucht-Verbund der Krone

Das Netz aus britischen Überseegebieten und Kronbesitzungen – Britische Jungferninseln, Kaimaninseln, Bermuda, Jersey, Guernsey, Isle of Man – steht nach dem Corporate Tax Haven Index (Rangliste der Unternehmens-Steueroasen) des Tax Justice Network von 2024 für 33 Prozent aller Risiken weltweiter Steuervermeidung durch Konzerne; die drei Erstplatzierten sind Jungferninseln, Kaimaninseln und Bermuda. Das Tax Justice Network nennt den Verbund „das zweite Empire“.

Auch die Geschichte stimmt dort, wo der Post sie anführt. 1953 stürzten der britische und der amerikanische Geheimdienst den iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh, nachdem dieser die Anglo-Iranian Oil Company verstaatlicht hatte. Das Wort „Schiitischer Halbmond“ prägte König Abdullah II. von Jordanien 2004 – als Warnung vor dem, was der US-Einmarsch 2003 in Bagdad angerichtet hatte: eine Iran-nahe Regierung im Irak.

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1946 lieh Washington London 3,75 Milliarden Dollar – die letzte Rate kam 2006

Am 29. August 1945 stellten die USA die Leih- und Pachtlieferungen an Großbritannien ohne Vorwarnung ein. John Maynard Keynes reiste nach Washington, um einen Zuschuss von fünf Milliarden Dollar zu verhandeln, und kam mit einem Kredit zurück: 3,75 Milliarden Dollar zu zwei Prozent, Laufzeit 50 Jahre, dazu die Pflicht, das Pfund binnen eines Jahres frei in Dollar tauschbar zu machen. Die Konvertibilität brach 1947 nach fünf Wochen zusammen. Das Oberhaus verwarf den Vertrag in der Debatte; der Historiker Alan Sked schreibt, am Ende habe das Land keine Wahl gehabt. Zwei Jahre zuvor, 1944, hatte Bretton Woods den Dollar zur Reservewährung gemacht und den Sitz von Weltwährungsfonds und Weltbank nach Washington gelegt, wo die USA bis heute als einziges Land ein Vetorecht halten. 1956 zwang Präsident Eisenhower die Briten aus Suez, indem er das Pfund stützen ließ – oder eben nicht. Die letzte Rate des Kredits von 1946 überwies das britische Schatzamt am 29. Dezember 2006.

Die britischen Interessen wurden nach 1945 von den USA übernommen. Großbritannien war nach dem Zweiten Weltkrieg politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich erschöpft – es war bei den USA verschuldet. Doch die britischen imperialen Interessen blieben bestehen. Und es gab und gibt Personengruppen in den USA, die die Interessen aus Großbritannien teilen. Hat ein operativer Machttransfer von Großbritannien zu den USA stattgefunden? Ja. Spielt London damit global keine Rolle mehr? Nein.

Wer in Washington die britischen Interessen teilte – sagt Carroll Quigley

Die Personengruppen hat Carroll Quigley beschrieben, Professor für Geschichte an der Georgetown-Universität und Lehrer Bill Clintons, der ihn 1992 in seiner Nominierungsrede namentlich würdigte. In „Tragedy and Hope“ (1966) und in „The Anglo-American Establishment“ (geschrieben 1949, veröffentlicht 1981) zeichnet Quigley die Gruppe um Alfred Milner nach, die aus dem Vermögen des Diamantenunternehmers Cecil Rhodes hervorging: die Round-Table-Bewegung, 1920 das Royal Institute of International Affairs in London (Chatham House) und 1921 dessen amerikanische Schwester, der Council on Foreign Relations in New York. Quigley schreibt als Insider mit Zugang zu den Akten der Gruppe und erklärt, er teile die meisten ihrer Ziele, nicht aber ihre Geheimhaltung. Die Pilgrims Society, 1902 in London gegründet, bringt seit 124 Jahren britische und amerikanische Finanz- und Politikleute an einen Tisch; der jeweilige US-Botschafter in London gehört ihr ex officio an.

London wickelt 2025 fast vier von zehn Dollar des Devisenhandels ab

Die Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für April 2025: 37,8 Prozent des weltweiten Devisenhandels laufen über das Vereinigte Königreich, 4,7 Billionen Dollar am Tag; bei außerbörslichen Zinsderivaten sind es 49,6 Prozent. New York liegt mit großem Abstand dahinter. Die Londoner Metallbörse, die Weltpreise für Kupfer, Aluminium und Nickel stellt, gehört seit 2012 der Hongkonger Börse – der Preis wird aber weiterhin in London gemacht. Chatham House, das Commonwealth mit 56 Staaten, die Kronbesitzungen mit ihren 33 Prozent der Steuervermeidungsrisiken: Das ist die Infrastruktur, von der der Post spricht.

Trump tritt aus 66 Organisationen aus, London bleibt in jeder einzelnen

Am 7. Januar 2026 ordnete Trump den Austritt der USA aus 66 internationalen Organisationen an, darunter 31 Einrichtungen der Vereinten Nationen; die Begründung des Weißen Hauses lautete, diese Organisationen versuchten, die amerikanische Souveränität zu beschränken. Am 22. Januar wurde der Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation wirksam, am 27. Januar der aus dem Pariser Klimaabkommen; den UN-Menschenrechtsrat und die UNESCO hatten die USA 2025 verlassen. Großbritannien ist Mitglied in jeder dieser Organisationen geblieben. Am 21. September 2025 erkannte Keir Starmer den Staat Palästina an, drei Tage nachdem Trump bei seinem Staatsbesuch gesagt hatte, das sei eine ihrer wenigen Meinungsverschiedenheiten. Im Juni 2026 verlängerten EU und Vereinigtes Königreich ihre Russland-Sanktionen um zwölf Monate, während Trump Teile der amerikanischen aussetzte und mit Moskau über den Verkauf der Lukoil-Auslandsgeschäfte verhandeln ließ. Militärisch arbeiten beide Seiten weiter zusammen; die britischen Basen auf Zypern dienen im Iran-Krieg der Luftverteidigung Jordaniens.

Erst seit Trump ziehen das offizielle Washington und London nicht mehr an einem Strang. Trump hat America First ausgerufen. London unterstützt immer noch das Ziel der Einen-Welt-Regierung.

Es gibt eben eine Politik jenseits der offiziellen Politik. Die wird genutzt und gemacht auf internationalen Konferenzen, in Davos, bei den Vereinten Nationen und bei der WHO. Dort wird weiterhin globalistisch gedacht. Ihnen geht es um Kontrolle, nicht um Demokratie.

Moskau meldet am 26. Oktober 2026: Das Dreiertreffen Putin, Trump, Xi wird vorbereitet

Am 9. Oktober telefonierten Trump und Putin; aus dem Gespräch kam eine Vereinbarung über russische Dieselexporte in die USA und auf die Weltmärkte, drei Tage später verkündete Trump eine „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und der Ukraine und bat Kiew, russische Raffinerien nicht mehr anzugreifen. Im September boten US-Unterhändler Moskau Zugang zu einem Teil der eingefrorenen Zentralbankreserven an. In demselben Telefonat schlug Putin ein Treffen zu dritt mit Xi Jinping vor; Trump sagte am 19. Oktober, er wolle es, aber über Abrüstung, nicht über die Ukraine. Am 26. Oktober erklärte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow, Moskau, Peking und Washington seien grundsätzlich bereit, die Vorbereitungen hätten begonnen – möglich am Rand des APEC-Gipfels in Shenzhen am 18. und 19. November. Am 3. November sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, das Treffen solle „noch in diesem Monat in China“ stattfinden, Peking sei als Gastgeber der Hauptorganisator. Am 4. November erklärte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, Peking stehe dazu „mit den beteiligten Seiten in Kontakt“; Termin und Tagesordnung nannte sie nicht. Zum G20-Gipfel am 14. und 15. Dezember in Trumps Hotel Doral bei Miami sind Putin und Xi eingeladen. Das Weltwirtschaftsforum tagt wieder im Januar 2027 in Davos.

Es gibt eine Aufteilung der Welt: Die Globalisten kontrollieren die EU, die NATO (teilweise) und Kanada. Beim nächsten Davos-Forum werden sie sich wieder treffen. Russland macht mit den USA offensichtlich mehr und mehr gemeinsame Sache. Ergänzt um China wird es ein trilaterales Präsidententreffen geben. Den Globalisten gefällt das nicht.

Berlin steht an der Seite von Brüssel und London, nicht Washingtons

Es gibt eine Verwebung zwischen der deutschen Bundesregierung und der EU-Kommission; die sind im Gespräch miteinander und bilden eher eine Einheit als die Bundesregierung mit Washington. Seit Trump ist das Verhältnis zum Trump-Lager eher angespannt. Die „Koalition der Willigen“ für die Ukraine führen Starmer und Macron, die Bundesregierung ist Mitglied; die Russland-Sanktionen, die Trump im Oktober 2026 aufweicht, hat sie im Juni mit beschlossen. Im Kreditvertrag von 1946 war ein Großteil der Summe für Militärausgaben im Ausland vorgesehen – zur Erhaltung des Empires –, und dieser Verwendungszweck blieb in den Verhandlungen bis zum Sommer 1946 verborgen. Das Geld kam aus Washington. Die Zwecke blieben britisch.

Was 1946 nach Washington ging – was in London blieb
Nach Washington
die Reservewährung (Bretton Woods 1944)
Sitz und Vetomacht in Weltwährungsfonds und Weltbank
die Kreditgeberrolle (3,75 Milliarden Dollar zu 2 Prozent, 1946)
das letzte Wort bei Suez 1956


In London
37,8 Prozent des Devisenhandels und 49,6 Prozent der Zinsderivate (BIZ, April 2025)
33 Prozent der weltweiten Steuervermeidungsrisiken über Überseegebiete und Kronbesitzungen (Tax Justice Network 2024)
die Preisbildung der Metallbörse
Chatham House seit 1920, die Pilgrims Society seit 1902
das Commonwealth mit 56 Staaten