
Hans-Werner Sinn leitete das ifo-Institut von 1999 bis 2016 und sitzt seit 1989 im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums. Am 27. Oktober 2026 sagte er im Podcast von Paul Ronzheimer, der Lebensstandard in Deutschland werde sich in den kommenden Jahren sehr deutlich verringern; die Reformen der Bundesregierung seien Mangelverwaltung. Bild: KI-generierte Illustration (Loreley-Blog), keine Originalaufnahme. Die Zuhörer sind fiktiv.
Hans-Werner Sinn im Ronzheimer-Podcast
Sinn: Hier in Europa wird’s halt nichts mehr
Der Doyen der Wirtschaftsforschung liest der Bundesregierung die Leviten: Mangelverwaltung, Zerstörung der Autoindustrie, kaputtes Rentensystem. Der Lebensstandard werde sich verringern. Hans-Werner Sinn, 78, führte das Münchner ifo-Institut 17 Jahre lang. Im Podcast des Bild-Journalisten Paul Ronzheimer rechnet er am 27. Oktober 2026 mit der Politik ab.
„Der Lebensstandard in Deutschland wird sich sehr, sehr deutlich verringern in den kommenden Jahren.“ Der Satz stammt von Hans-Werner Sinn, von 1999 bis 2016 Präsident des ifo-Instituts und Vordenker der Agenda-Reformen von 2003. Als Gründe nennt er den Ukraine-Krieg, hohe Energiepreise, niedrige Geburtenzahlen und überzogene Umweltauflagen. Der Mittelstand sei noch eine starke Basis. Insgesamt sei er „ziemlich pessimistisch“.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am 21. Oktober 2026 beim Berlin Global Dialogue, die Wirtschaft wachse wieder, um 1,3 Prozent. Sinn hält dagegen: „Das ist kein strukturelles Wachstum.“ Es sei schuldenfinanziert. „Wenn dieser Weg gegangen wird, dann ist es auch ziemlich vorbei mit der deutschen Bonität.“
Die Herbstprojektion der Bundesregierung vom 8. Oktober 2026 bestätigt das. Das Wachstum werde „vor allem durch robuste Exporte und die staatlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur getragen“. Der öffentliche Konsum legt 2026 um 2,6 Prozent zu, der private um 0,3 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt.
Die Reformpläne der Bundesregierung für Arbeitsmarkt und Einkommensteuer nennt Sinn „Mangelverwaltung“: „Es ist weniger da, man muss das irgendwie aufteilen.“
Audi baut in Georgia, nicht in Neckarsulm
Am 25. Oktober 2026 stand Audi-Chef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfbühne von Donald Trump in Georgia und kündigte ein Werk in Macon an: bis zu 4.500 Beschäftigte, Produktionsstart Anfang der 2030er-Jahre. Zugleich streicht Audi bis 2029 7.500 Stellen in Deutschland; Neckarsulm ist schon heute schwach ausgelastet. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte Döllner eine „Marionette“ in einer „Propagandashow“.
Sinn nennt Trumps Zollpolitik „Erpressung“: Er „presst seine Verbündeten in der westlichen Welt, um sie gefügig zu machen“. Döllners Entscheidung hält er trotzdem für nachvollziehbar: „Hier in Europa wird’s halt nichts mehr.“ Die EU-Klimapolitik „vertreibt natürlich die Autohersteller“. Die CO2-Flottenvorgaben der EU seien „ein Anschlag auf das Herz unserer Industrie“, Lieferkettenregeln und Berichtspflichten „des Teufels“.
Rot-Grün-Rot in Berlin will 160.000 Wohnungen vergesellschaften
Linke, Grüne und SPD haben sich am 17. Oktober 2026 in Berlin darauf verständigt, private Wohnungskonzerne mit mehr als 10.000 Wohnungen zur Abgabe der darüber liegenden Bestände zu verpflichten, Vergesellschaftung nach Artikel 15 Grundgesetz. Betroffen wären rund 160.000 Wohnungen. Die Linke stimmt am 31. Oktober über Koalitionsverhandlungen ab.
Sinn: „Zum ‚Wohle der Allgemeinheit‘ – das ist zum Unwohle der Allgemeinheit!“ Die großen Investoren der Welt machten dann „einen Bogen um Deutschland“ und bauten keine Wohnblocks mehr.
Zur Rente: „Die Rentner wollen eine Rente von Kindern, die sie nicht haben.“ Es werde „gar nicht honoriert, Nachkommen zu haben und großzuziehen“. Die Mütterrente der CSU sei deshalb „im Kern richtig – weil ohne Mütter keine Rente“. Zu den Schulen: „Das Land der Dichter und Denker hat keine vernünftigen Schulen mehr.“
Sinn sitzt seit 1989 im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums. Seine Analysen zu Geburtenrate, Rente und Energiepreisen liegen den Bundesregierungen seit Jahrzehnten vor. Ich sehe das ähnlich wie Sinn. Mangelverwaltung ist das Ergebnis einer Parteiendemokratie, in der die Parteien ihre Klientel bedienen und nicht das Wohl der Gesamtheit im Blick haben.
Hinzu kommt, dass die Bundesrepublik mit ihrer überragenden einstigen Wirtschaftskraft die perfekte Geldverteilungsmaschine war. Die Bundesregierung verteilt Geld, das ihr nicht gehört. Das beste aktuelle Beispiel dafür ist das sogenannte Sondervermögen, in Wahrheit Sonderschulden, in Höhe von 500 Milliarden Euro, aus dem sie ein Mini-Wachstum produziert. Für 2028 erwartet sie selbst noch 0,6 Prozent. Und der Kanzler stellt sich hin und feiert das als Erfolg.




