
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre telefonierten am 27. Oktober 2026 von Helsinki aus rund 90 Minuten mit Wladimir Putin, auf eigene Initiative und in Absprache mit Kiew. Berlin war nicht beteiligt: Beide betonten, nur für ihre eigenen Länder gesprochen zu haben.
Bild: KI-generierte Illustration (Loreley-Blog), keine Originalaufnahme. Die Berater im Hintergrund sind fiktiv.
Europas Norden ruft in Moskau an
Stubb und Støre rufen Putin an, Berlin nicht
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre haben am Dienstag rund 90 Minuten mit Wladimir Putin telefoniert – auf eigene Initiative, ohne Abstimmung mit den übrigen Europäern. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen widersprach am selben Tag. Die Bundesregierung kommt in den Mitteilungen aus Helsinki, Oslo und Moskau nicht vor. Merz sieht seit Januar „keine Notwendigkeit, zusätzliche Gesprächskanäle zu eröffnen“.
Das Gespräch fand nach Angaben des finnischen Präsidialamts auf Initiative Helsinkis und Oslos statt, in Absprache mit der Ukraine. Themen waren Russlands Krieg gegen die Ukraine, die diplomatischen Bemühungen um ein Ende und die Sicherheit im Ostseeraum und im Hohen Norden. Stubb nannte das Gespräch „ehrlich und gehaltvoll“. Støre betonte „die Bedeutung einer Deeskalation“.
Der Kreml bestätigte das Telefonat am Dienstag um 13:20 Uhr Moskauer Zeit. Nach seiner Darstellung sei ein „gerechter und dauerhafter Frieden“ nur möglich, wenn Russlands Interessen „vollständig und ohne Bedingungen“ berücksichtigt würden. Die „konfrontative Politik“ von EU und NATO verlängere die Kampfhandlungen. Die drei vereinbarten, den direkten Telefonkontakt zu halten.
Putin unterrichtete die beiden Nordeuropäer nach Kreml-Angaben über die von den USA vermittelte humanitäre Operation bei Oleschky am Dnipro. Dort gilt seit Dienstag, 4 Uhr Moskauer Zeit, eine örtliche Feuerpause, damit Lebensmittel geliefert und Bewohner evakuiert werden können. In derselben Nacht traf ein russischer Angriff die Südbrücke in Kiew.
Frederiksen: „Mit keinem von uns anderen abgestimmt“
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte dem Sender DR, der Anruf sei „mit keinem von uns anderen abgestimmt“ gewesen; sie verstehe nicht, was die beiden Länder damit erreichen wollten. Stubb und Støre hatten erklärt, sie sprächen für ihre Länder, nicht für Europa. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte anschließend laut Interfax, Finnland und Norwegen hätten nichts Neues angeboten.
Die beiden sprachen mit Putin auch über die Gespräche, die Wolodymyr Selenskyj am 20. Oktober in Oslo mit US-Gesandten geführt hatte. Nach Angaben des Kreml-Beraters Juri Uschakow bereitet Moskau für November Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi vor, das erste Treffen „sondierend“. Europa ist in diesem Format nicht vertreten.
Einen Tag vor dem Telefonat, am 26. Oktober, hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius in Paris die Verteidigungsminister der fünf größten europäischen NATO-Staaten getroffen. Sein Urteil über Putin: „Nichts, aber auch gar nichts“ deute auf ein Interesse an einem Waffenstillstand hin. „Er spielt auf Zeit.“ Die fünf Staaten schnürten „Winterpakete“ mit Luftabwehr für die Ukraine.
Merz hält die bestehenden Gesprächskanäle für ausreichend
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am 29. Januar 2026 in Berlin erklärt, er sehe „keine Notwendigkeit, zusätzliche Gesprächskanäle zu eröffnen“; die Europäer seien über die Gespräche zwischen Ukraine, USA und Russland im Detail informiert. Am Dienstag sagte er in Singapur, das Kriegsende hänge „nur von Russlands Präsident Wladimir Putin“ ab.
Die Bundesregierung beziffert ihre militärische Unterstützung für die Ukraine seit dem 24. Februar 2022 mit rund 57,6 Milliarden Euro, die zivile mit mehr als 43,3 Milliarden Euro. Finnland und Norwegen haben zusammen rund 11 Millionen Einwohner, weniger als Bayern. Beide Regierungen sprechen seit Dienstag mit Moskau.
Die Bundesregierung begründet ihre Zurückhaltung mit Putins fehlendem Friedenswillen; Pistorius stellte ihn am Montag fest, Merz am Dienstag. Stubb und Støre hatten denselben Putin am Telefon, hörten dieselben Forderungen und halten den Kontakt trotzdem offen. Die Bundesregierung lässt verhandeln: in Washington, in Abu Dhabi, seit Dienstag auch in Helsinki und Oslo.
Ich halte das Schweigen Berlins gegenüber Moskau für die teurere Linie. Deutschland hat mehr als 100 Milliarden Euro für diesen Krieg aufgewendet und überlässt das Gespräch über sein Ende Washington, Helsinki und Oslo. Eine Regierung, die so viel Geld ausgibt und kein eigenes Gespräch mit Moskau will, hat sich für die Rolle des Zahlers entschieden.




