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KI-generierte Illustration von Gerhard Schröder und Wladimir Putin im Zusammenhang mit Schröders Besuch zu Putins 74. Geburtstag in Moskau. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)

Veröffentlicht im Oktober 2026

Schröder bei Putin: Empörung ohne Sinn und Verstand

Lesezeit: 7 Minuten

Am 7. Oktober, seinem 74. Geburtstag, empfing Wladimir Putin den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder bei sich zu Hause. Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Laut Kreml erfuhr Putin aus den Medien davon und lud „seinen alten Freund“ ein. Der Kreml veröffentlichte dazu Fotos, auf denen sich beide lächelnd die Hände schütteln (t-online).

„Scharfe Kritik an Schröder nach Putin-Feier“, titelt die Bild-Zeitung heute. Die Massenmedien stehen Kopf. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb auf X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament, sprach von „einer Schande sondergleichen“.

Vor 25 Jahren erhoben sich die Abgeordneten des Bundestags, als derselbe Putin seine Rede vor ihnen beendete (Bundestag, Wortprotokoll).

Seine Verbindung zu Deutschland reicht weiter zurück als jede Freundschaft mit einem Altkanzler. Von 1985 bis 1990 lebte er als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB in Dresden und lernte den Alltag in der DDR aus eigener Anschauung kennen. Diese Jahre dürften seine persönliche Vertrautheit mit Deutschland und den Deutschen mitgeprägt haben (Bundesarchiv).

Am 25. September 2001 erklärte er im Bundestag über Deutschland: „Wir haben Ihr Land immer als ein bedeutendes Zentrum der europäischen und der Weltkultur behandelt.“ Über sein eigenes Land sagte er: „Russland ist ein freundlich gesinntes europäisches Land.“ Er warb für Partnerschaft und ein gemeinsames europäisches Haus (Bundestag, Wortprotokoll).

Auch auf deutscher Seite wurde diese Perspektive vertreten. Beim Treffen mit Putin im russischen Sotschi am 21. Januar 2007 bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlin und Moskau blieben trotz aller Differenzen strategische Partner – wegen Russlands wirtschaftlicher und politischer Bedeutung für Deutschland und Europa (World Politics Review).

Nach Beginn der großangelegten russischen Invasion formulierte Bundeskanzler Olaf Scholz am 19. Mai 2022 im Bundestag ein anderes politisches Ziel: „Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen. Die Ukraine muss bestehen.“ (Bundesregierung)

Zwischen diesen Aussagen liegen 15 Jahre: Aus angestrebter strategischer Partnerschaft wurden Sanktionen und militärische Unterstützung der Ukraine gegen Russland. Wie konnte die Hoffnung auf eine gemeinsame europäische Friedensordnung verloren gehen?

Zur Vorgeschichte gehören die Zusicherungen von Genscher und Baker aus dem Jahr 1990 gegen eine NATO-Ausdehnung nach Osten. Sie sind dokumentiert, auch wenn daraus kein allgemeines vertragliches Erweiterungsverbot wurde. Diese Differenz hilft zu verstehen, weshalb sich westliche Berufung auf Vertragstreue und russisches Enttäuschungsempfinden gegenüberstehen konnten (National Security Archive, Wissenschaftliche Dienste des Bundestags).

Russlands Sicherheitsbedenken waren bekannt. Schon 2008 warnte US-Botschafter William Burns vor den Folgen einer ukrainischen NATO-Mitgliedschaft. Dennoch stellte das Bündnis sie in Aussicht. Auch amerikanische Einflussnahme auf die politische Entwicklung der Ukraine ist dokumentiert – besonders im Nuland-Pyatt-Telefonat von 2014. Eine gezielte Herbeiführung des Krieges ist damit allerdings nicht bewiesen (WikiLeaks, Kabel 08MOSCOW265, NATO, Gipfel Bukarest, BBC, Transkript Nuland-Pyatt).

Deutschland geriet zwischen unterschiedliche Interessen. Es suchte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und widersprach amerikanischen Sanktionen gegen Nord Stream 2. Die Gleichsetzung deutscher und amerikanischer Interessen war erkennbar problematisch (Bundesregierung, Pressemitteilung 432/2019).

Eine neue Friedensordnung braucht die Bereitschaft, auch westliche Fehlentscheidungen aufzuarbeiten. Sie muss russische Sicherheitsinteressen ebenso berücksichtigen wie die Sicherheit und Selbstbestimmung seiner Nachbarn. Deutsche, russische und ukrainische Menschen haben ein gemeinsames Interesse daran, dass Verständigung wieder möglich wird.

Putins Beiträge zu Abrüstung und Zusammenarbeit gehören ebenso zur Bilanz wie der völkerrechtswidrige Angriff auf die Ukraine. Dieser Krieg hatte jedoch eine Vorgeschichte: den seit 2014 andauernden bewaffneten Konflikt im Donbas mit schweren Folgen für die Zivilbevölkerung, gescheiterte Friedensvereinbarungen und die ungelöste Auseinandersetzung um NATO-Erweiterung und russische Sicherheitsinteressen. Moskau begründete sein Eingreifen mit dem Schutz der Menschen im Donbas und der Abwehr einer strategischen Bedrohung. Diese Begründung muss berücksichtigt und kritisch geprüft werden; sie macht den Angriff nicht rechtmäßig. Eine ernsthafte Aufarbeitung muss deshalb auch westliche Entscheidungen und ihren Anteil an der Eskalation untersuchen (Weißes Haus, Briefing Hadley zu Bukarest 2008, UN-Generalversammlung, 2. März 2022, OHCHR/UN Ukraine, zivile Opfer 2014–2021, UN, Nebensja-Pressekonferenz 28.2.2022).

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Chronik einer Entfremdung

25.09.2001
Putin spricht im Bundestag, die Abgeordneten erheben sich.


21.01.2007
Merkel in Sotschi: Russland bleibt strategischer Partner.


03.04.2008
NATO-Gipfel Bukarest: Ukraine und Georgien „werden Mitglieder“.


21.12.2019
Bundesregierung weist US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 als Einmischung zurück.


24.02.2022
Russischer Angriff auf die Ukraine.


19.05.2022
Scholz: „Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen.“


07.10.2026
Schröder bei Putins 74. Geburtstag in Moskau.

Quellen: im Text verlinkt

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