KI-generierte Illustration: Ein Geschäftsmann an der Anlandestation von Nord Stream 2 in Lubmin an der Ostsee
Nord Stream 2

KI-generierte Illustration: ein Geschäftsmann an der Anlandestation von Nord Stream 2 in Lubmin an der Ostsee. Von den vier Röhren beider Leitungen blieb nach den Explosionen im September 2022 nur eine intakt. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)

Geheimgespräche Kushner–Dmitrijew

Nord Stream unter amerikanischer Flagge?

Washington/Moskau – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump lotet mit Russland aus, ob über Nord Stream wieder Gas nach Deutschland fließen kann. Ein amerikanischer Investor soll dabei als Türöffner dienen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Quellen. Berlin ist an den Gesprächen nicht beteiligt.

Nach Informationen von Reuters trafen sich Trumps Schwiegersohn und Sondervermittler Jared Kushner und der Putin-Vertraute Kirill Dmitrijew in New York und in Moskau. Es ging um den Einstieg eines US-Investors bei den Ostseepipelines.

Das Weiße Haus bestätigte die Energiegespräche nicht. Es erklärte lediglich, etwaige Vereinbarungen müsse Russland mit der staatlichen Entwicklungsfinanzierungsbehörde DFC und dem Finanzministerium aushandeln. Sie müssten amerikanischen Steuerzahlern und Unternehmen zugutekommen.

Dieselbe Formel gilt für die parallelen Gespräche über Vermögen des russischen Ölkonzerns Lukoil. Dort bestätigte das Weiße Haus der New York Times, man wolle „eine beträchtliche Vorauszahlung und eine Gewinnbeteiligung für die Vereinigten Staaten“.

Ein Investor aus Miami bot schon 2024 mit

Im November 2024 meldete das Wall Street Journal, der Finanzier Stephen P. Lynch habe in Washington die Erlaubnis beantragt, Nord Stream 2 bei einer Konkursauktion in der Schweiz zu ersteigern. Lynch hatte Trumps Wahlkampf finanziell unterstützt.

Lynch machte zwei Jahrzehnte lang Geschäfte in Moskau. 2022 übernahm er mit einer US-Sonderlizenz die Schweizer Sberbank-Tochter. Für den Kauf der Pipeline warb er mit dem Argument, amerikanisches Eigentum sei ein Druckmittel in Verhandlungen über ein Ende des Ukrainekriegs.

Die Auktion fand nie statt. Im Mai 2025 genehmigte das Kantonsgericht Zug einen Nachlassvertrag der Nord Stream 2 AG mit ihren Großgläubigern. Die Gesellschaft gehört weiterhin vollständig Gazprom und steht unter US-Sanktionen.

Im Frühjahr 2025 berichtete die Financial Times, der frühere Nord-Stream-2-Chef Matthias Warnig arbeite mit amerikanischen Investoren an einem Neustart. Laut Bild reiste Trumps Sondergesandter Richard Grenell dafür mehrfach an den Firmensitz in Steinhausen. Grenell bestritt das.

Wer entscheidet über das Gas, das in Lubmin ankommt?

Ein amerikanischer Eigentümer allein öffnet keine Leitung. Mit dem 18. Sanktionspaket vom 18. Juli 2025 hat die EU jede Transaktion mit Nord Stream 1 und 2 verboten, ausdrücklich auch Fertigstellung, Wartung, Betrieb und künftige Nutzung. Ein US-Beamter hält einen Abschluss derzeit für unwahrscheinlich.

Deutschland ist an dem Vorgang doppelt beteiligt. Der 2022 verstaatlichte Energiekonzern Uniper hat Nord Stream 2 mitfinanziert und zählte im Zuger Verfahren zu den Großgläubigern. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies am 8. Oktober 2026 auf die europäischen Sanktionen und erklärte, Deutschland habe Alternativen zum russischen Gas gefunden.

Nord Stream wurde unter Gerhard Schröder vereinbart. Nord Stream 2 setzte die Regierung Merkel gegen den Widerstand Polens und der Ukraine durch. Trump schuf in seiner ersten Amtszeit die gesetzliche Grundlage für Sanktionen gegen das Projekt, Olaf Scholz stoppte im Februar 2022 die Zertifizierung.

Vier Kanzlerschaften später verhandeln Washington und Moskau über den Neustart, und die Sperre liegt bei der EU in Brüssel. Die Bundesregierung kommt in den Berichten über die Gespräche nur mit einer Stellungnahme ihres Wirtschaftsministeriums vor.