Donald Trump Resolution Desk White House

Trump verkündete die Zusage der G7 noch am Tag der Videokonferenz auf Truth Social – als Zustimmung „Europas“. KI-generierte Illustration von Donald Trump im Zusammenhang mit der Dieselfreigabe der G7. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)

G7 geben Notreserven nach US-Drohung frei

Diesel auf Zuruf

Washington/Berlin – Am Donnerstag wurde öffentlich, dass Washington Europas Dieselreserven verlangt und mit einem Exportstopp droht. Am Freitagnachmittag stand die Zusage der G7: bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus den strategischen Vorräten. Der Zeitpunkt liegt vier Wochen vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress.

Die G7-Staaten haben sich am Freitag auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus ihren strategischen Reserven geeinigt, wie die BILD meldet. Laut WirtschaftsWoche soll ein erheblicher Teil des Diesels schon in den ersten 20 Tagen auf den Markt kommen.

Die Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs ging auf eine Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurück. Noch am selben Tag meldete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social Vollzug: Europa habe „soeben zugestimmt“, eine gewaltige Menge seiner Dieselreserven freizugeben.

Tags zuvor hatte der Spiegel unter Berufung auf Kreise der Bundesregierung und der EU-Kommission berichtet, Washington verlange 120 Millionen Barrel Diesel, verteilt auf 180 Tage. Andernfalls drohe ein Stopp der amerikanischen Dieselexporte nach Europa.

Ein Exportstopp als Druckmittel

Wenige Tage vorher hatte das Weiße Haus einen solchen Exportstopp noch dementiert, berichtet der Blick. Die Drohung bleibt bestehen: Die europäische Freigabe gilt nach Darstellung der WirtschaftsWoche als notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung, um US-Exportbeschränkungen abzuwenden.

Verlangt waren 120 Millionen Barrel Diesel. Zugesagt sind bis zu 100 Millionen Barrel – Rohöl eingerechnet und verteilt auf alle G7-Partner, also auch Japan, Kanada und Großbritannien. Trump spricht trotzdem von Europa.

Als Begründung nennt die Trump-Regierung die Verbraucherpreise. Die Spritpreise sind infolge des Iran-Kriegs erneut deutlich gestiegen. US-Finanzminister Scott Bessent verweist laut Telepolis darauf, die USA hätten im März bereits 172 Millionen Barrel aus eigenen Beständen freigegeben.

Am 3. November wählen die USA einen neuen Kongress. Trumps Republikaner liegen rund einen Monat vor den Zwischenwahlen im Umfragetief, die gestiegenen Spritpreise erhöhen den Druck auf sie zusätzlich.

Bezahlt an der deutschen Zapfsäule

Die deutsche Notreserve verwaltet der Erdölbevorratungsverband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, errichtet 1978, fünf Jahre nach dem ersten Ölschock. Die Kosten tragen laut EBV die Mineralölunternehmen über Pflichtbeiträge – und damit letztlich die Verbraucher.

Die gesetzliche Reserve umfasst nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 110 Millionen Barrel Rohöl und 67 Millionen Barrel Fertigprodukte. Deutschland und Frankreich halten laut t-online zusammen rund 35 Prozent der europäischen Dieselreserven und stehen deshalb im Zentrum der Forderung.

Die Freigabe drückt auch hierzulande auf den Preis, deutsche Autofahrer profitieren mit. Zugleich schrumpft der Puffer für den eigenen Versorgungsnotfall – den Zweck, für den die Reserve angelegt wurde. Schon 50 Millionen Barrel Diesel entsprächen laut WirtschaftsWoche, gestützt auf Eurostat-Daten, rund 17 Prozent der gesamten EU-Notvorräte an Diesel und Benzin.

Der Hebel hat eine Vorgeschichte. Vor dem Ukraine-Krieg stammten laut S&P Global über 40 Prozent der europäischen Dieselimporte aus Russland. Seit dem EU-Embargo vom Februar 2023 füllen unter anderem US-Raffinerien die Lücke, im Juli 2024 mit Rekordmengen.

Europa hat damit eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht. Beschlossen haben das Regierungen unterschiedlicher Parteifarbe, mitgetragen von breiten Mehrheiten. Wechselt die Regierung, bleibt die Abhängigkeit. Am Freitag lag zwischen Forderung und Zusage ein Tag.