
Ende 2025 lebten 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, 110.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Ausländer stieg im selben Jahr dennoch um 39.000 auf 12,4 Millionen. KI-generierte Illustration von Alice Weidel im Bundestag während der Debatte zum Europäischen Rat. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)
Veröffentlicht im Oktober 2026
Bevölkerungsaustausch in Deutschland?
Lesezeit: 8 Minuten
Berlin – AfD-Chefin Alice Weidel (47) hat im Bundestag den übermäßigen Zuzug nach Deutschland angegriffen. Der Familiennachzug gehe weiter, Abschiebungen gebe es kaum, die „Fließbandeinbürgerung“ laufe auf Hochtouren. Ein Teil davon ist belegt: 2025 ließen sich 332.500 Menschen einbürgern, so viele wie nie. Dahinter steht die Frage: Wann stellen Menschen mit Migrationshintergrund die Mehrheit?
Weidel sprach in der Bundestags-Debatte zum Europäischen Rat. Die Eingebürgerten lebten im Schnitt 12,4 Jahre in Deutschland. Abgeschoben wurden 2025 genau 22.787 Menschen, etwas mehr als im Jahr davor. Der Familiennachzug bleibt sechsstellig.
Weidel sprach auch von hunderttausenden hochqualifizierten Deutschen, die auswandern. Netto verlor Deutschland 2025 rund 97.000 eigene Staatsbürger ans Ausland. Ob sie hochqualifiziert waren, erfasst die amtliche Statistik nicht.
Was der Zuzug für die Schulen bedeutet, zeigt Bayern. In 10.555 bayerischen Regelklassen haben die meisten Kinder eine andere Muttersprache als Deutsch, in 275 hat kein einziges Kind Deutsch als Muttersprache. Das ergab eine Anfrage von Markus Walbrunn, AfD-Abgeordneter im Bayerischen Landtag, für das Schuljahr 2024/25.
Von 59.942 Klassen an allgemeinbildenden Schulen hatten 12.639 eine Mehrheit mit nichtdeutscher Muttersprache. 10.555 davon waren Regelklassen, keine Deutschklassen für Neuankömmlinge. Bei den Schulanfängern 2025/26 haben in München 56,2 Prozent eine nichtdeutsche Muttersprache, in Augsburg 60,6 und in Nürnberg 62,7 Prozent.
Eine andere Muttersprache bedeutet nicht, dass ein Kind kein Deutsch spricht. Das Ministerium betont selbst, dass viele dieser Kinder fließend Deutsch sprechen. Aufschlussreicher ist, welche Sprache zu Hause gesprochen wird. Laut Mikrozensus spricht knapp ein Viertel der Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu Hause gar kein Deutsch.
Gut die Hälfte lebt mehrsprachig – und vier von fünf davon reden daheim überwiegend in der anderen Sprache. Nur 22 Prozent sprechen zu Hause ausschließlich Deutsch.
Was das für das Lernen bedeutet, hat Petra Stanat gemessen, heute wissenschaftlicher Vorstand des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Sie wertete die PISA-Studie aus, den internationalen Schulleistungsvergleich. Je mehr Jugendliche einer Schule zu Hause kein Deutsch sprachen, desto schwächer las die Schule im Schnitt.
Ab bestimmten Schwellen wurde der Zusammenhang deutlich stärker: für Kinder mit Migrationshintergrund ab 20 bis 30 Prozent, für Kinder ohne erst ab etwa 40 Prozent. In den 10.555 bayerischen Regelklassen liegt der Anteil über 50 Prozent.
Stanat schränkt den Befund ein. Der Effekt trat nur an Schulen auf, die Kindern mit schlechtem Start das Lesen nicht ausreichend beibrachten – egal welcher Herkunft. Ihr Rat: früh Deutsch fördern, statt Kinder umzuverteilen.
Wie Eltern mit Migrationshintergrund das sehen, zeigt ein Kommentar unter einem Facebook-Beitrag zu den bayerischen Zahlen. Ein Vater, der sich als Deutscher mit Migrationshintergrund beschreibt, zog aus Berlin in den Norden. Sein Sohn soll sich integrieren und einen guten Bildungsweg gehen können.
Für diese Haltung nennen ihn Deutsche einen Nazi und Muslime einen Verräter, schreibt er. Menschen wie er arbeiten, fördern ihre Kinder und fühlen sich Deutschland verbunden. In der Debatte kommen sie kaum vor, sie müssen jedoch erwähnt werden.
Es gibt aber auch Negativbeispiele. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) befragte 2022 Neuntklässler. 67,8 Prozent der muslimischen Schüler erklärten, die Regeln des Korans seien ihnen wichtiger als deutsche Gesetze. 45,8 Prozent hielten einen islamischen Gottesstaat für die beste Staatsform.
Befragt wurden rund 300 muslimische Jugendliche, die Studie ist nicht repräsentativ für alle Muslime. Wer aber das Gesetz einer Religion über das Grundgesetz stellt, lehnt das Land ab, in dem er lebt. Solche Fälle gibt es leider viel zu viele.
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Asyl sinkt, Nachzug bleibt
Die Asylzahlen sinken tatsächlich. 2025 stellten 113.236 Menschen einen Erstantrag, halb so viele wie 2024. Von Januar bis September 2026 waren es 51.982.
Der Zuzug nach Deutschland findet woanders statt. Für den Familiennachzug erteilte das Auswärtige Amt 2023 rund 130.800 Visa, 2024 rund 123.700 und 2025 rund 110.400. Knapp 17.800 davon gingen 2025 an Ehepartner deutscher Staatsbürger. In den ersten fünf Monaten 2026 kamen 43.739 Visa hinzu.
Ausgesetzt ist seit Juli 2025 nur der Nachzug zu subsidiär Schutzberechtigten. Das sind Menschen, die nicht persönlich verfolgt werden, denen in der Heimat aber Todesstrafe, Folter oder Gefahr durch Krieg droht (siehe Kasten). Die Regel gilt für zwei Jahre. Seither erteilte das Auswärtige Amt dieser Gruppe zehn Härtefallvisa, acht davon nach einem gerichtlichen Vergleich.
Unterm Strich zogen 2025 netto 235.000 Menschen zu, 45 Prozent weniger als 2024. Im Schnitt der Jahre 1990 bis 2024 waren es 356.000 pro Jahr.
Wann kippt die Mehrheit?
2025 hatten 31,1 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund: Sie selbst oder mindestens ein Elternteil kamen ohne deutschen Pass zur Welt. In Bremen waren es rund 46 Prozent, in Nürnberg 2023 bereits 51 Prozent.
Der Begriff Migrationshintergrund umfasst sehr unterschiedliche Menschen: Polen und Italiener ebenso wie Syrer und Afghanen, den eingebürgerten Ingenieur ebenso wie den Asylbewerber. Den Anteil der Muslime schätzt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für 2025 auf 8,0 bis 8,5 Prozent.
Das Institut für Remigration, das den Erhalt einer einheimischen Mehrheit offen als politisches Ziel nennt, legt den Kipppunkt auf 2045. Sein Modell hält die Geburtenraten konstant und schreibt den Zuzug im Schnitt der Jahre 2015 bis 2024 fort. Darin stecken die Fluchtjahre 2015/16 und der Ukraine-Zuzug ab 2022.
Jedes Kind zählt im Modell dauerhaft zur Gruppe der Mutter. Enkel und Urenkel einer eingewanderten Frau bleiben Migranten, auch wenn der Vater Deutscher ist.
Herbert Brücker, Migrationsforscher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), rechnet vorsichtiger. Bei 400.000 Nettozuzügen pro Jahr erwartet er rund 40 Prozent im Jahr 2040 und rund 50 Prozent 2060.
Bei 180.000 Nettozuzügen läge der Anteil auch 2070 erst bei gut 40 Prozent, bei 400.000 dann bei 57.
Der Zuzug von 2025 liegt näher am unteren Szenario. Bleibt er dort, liegt die bundesweite Mehrheit nach Brückers Szenarien jenseits von 2070. Bei den Jüngsten ist sie näher: 2025 hatten 42,7 Prozent der Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund.
Geburten: 1,20 gegen 1,78 Kinder je Frau
Ausländerinnen bekamen 2025 im Schnitt 1,78 Kinder, Frauen mit deutschem Pass 1,20. Der Abstand schrumpft: Die Geburtenziffer der Ausländerinnen sinkt seit 2017 fast durchgehend, 2025 allein um 3,3 Prozent.
Über die Generationen gleicht sich das Verhalten weiter an. Nadja Milewski vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigte, dass Töchter von Gastarbeiterinnen beim ersten Kind dem westdeutschen Muster näher sind als ihre Mütter.
Eine Kölner Studie um die Soziologin Sandra Krapf untersuchte Frauen türkischer Herkunft der zweiten Generation. Bei den gut Gebildeten fand sie beim ersten Kind keinen signifikanten Unterschied mehr zu Frauen ohne Migrationshintergrund.
Damit fällt die Annahme konstanter Geburtenraten, auf der die frühe Jahreszahl 2045 ruht. Dazu kommt die Statistik selbst: Ab der dritten Generation taucht der Migrationshintergrund in der amtlichen Statistik nicht mehr auf.
Den Takt gibt der Gesetzgeber vor
Wann stellen Menschen mit Migrationshintergrund die Mehrheit? In vielen Klassenzimmern und in Nürnberg schon heute, bundesweit frühestens um 2060.
Ob ein Plan dahintersteht, lässt sich aus den Zahlen nicht belegen. Am Ergebnis ändert das nichts. Das Aufenthaltsgesetz nennt in Paragraf 1 die Steuerung und Begrenzung des Zuzugs als Zweck. Wie viel Zuzug das konkret heißt, handeln Koalitionen unter sich aus.
Die sinkenden Asylzahlen zeigen nur einen Teil des Zuzugs. Für den Familiennachzug stellt das Auswärtige Amt Jahr für Jahr Visa in der Größenordnung einer Großstadt aus. In mehr als jeder fünften bayerischen Schulklasse stellen Kinder mit anderer Muttersprache schon die Mehrheit. Bleibt der Zuzug auf dem Niveau der vergangenen drei Jahrzehnte, gilt noch in diesem Jahrhundert für ganz Deutschland, was heute in vielen Klassenzimmern Alltag ist.




