Massenmedialer Rauswurf

KI-generierte Illustration abgewiesener Fernsehteams am Tor zum Weißen Haus. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog). Der Secret Service zog am 19. September den Presseausweis einer CNN-Reporterin ein.

Massenmedialer Rauswurf im Weißen Haus

Washington. Am Montag sprach der Präsident vor Kameras, und die übliche breite mediale Berichterstattung fiel aus. Nun, nicht ganz: Der massenmediale Fernsehpool hatte die Arbeit eingestellt. Vorausgegangen war der Bann dreier Medien.

Was blieb, waren Bilder aus Regierungskameras. Bei der Pressekonferenz am Montag war der Präsident nicht zu verstehen, weil die vom Weißen Haus gelieferte Aufnahme keinen brauchbaren Ton führte.

Am 18. September verbannte Donald Trump CNN, MS NOW und Politico aus dem Weißen Haus. Einen Tag später verweigerte der Secret Service einer CNN-Reporterin den Zutritt und zog ihren Presseausweis ein.

CNN war für diese Woche als Fernsehpool eingeteilt, auch für Trumps Rede vor der UN-Generalversammlung. Die Regierung strich die Zuweisung und benannte keinen Ersatz.

Daraufhin setzten alle fünf Netzwerke die Pool-Berichterstattung aus. Die Mitteilung kam von Bryan Boughton, Washingtoner Büroleiter von Fox News und amtierender Vorsitzender des Pool-Konsortiums.

Als Zweit-Crews führte das Weiße Haus für Washington die Sendergruppe Hearst auf, für die Reise nach New York den kleinen Sender Real America’s Voice. Die drei ausgeschlossenen Medien klagen seit Montag.

Achtzig Prozent negativ

Die Regierung begründet den Bann mit angeblich unwahrer Berichterstattung. Eine Zahlenlage dazu existiert. Das Harvard Shorenstein Center maß 2017 für Trumps erste hundert Tage 80 Prozent negative Berichterstattung, gegenüber 41 Prozent bei Barack Obama.

Nach Sendern aufgeschlüsselt: CNN und NBC je 93 Prozent, CBS 91, New York Times 87, Washington Post 83, Wall Street Journal 70, Fox News 52. In keiner einzigen Woche fiel der Wert unter 70 Prozent.

Studienleiter Thomas E. Patterson schrieb damals allerdings auch, die frühe Amtszeit sei von mehr eigenen Fehlgriffen geprägt gewesen als jede Präsidentschaft zuvor. Der Ton misst die Berichte, nicht ihren Wahrheitsgehalt.

Ein Richter zog 2025 die Grenze

Der Vorgang hat einen Präzedenzfall. Im Februar 2025 sperrte das Weiße Haus die Nachrichtenagentur AP aus, weil sie den Golf von Mexiko weiter so nannte.

Am 8. April 2025 untersagte Richter Trevor McFadden diese Ausgrenzung. Öffne die Regierung ihre Türen für einige Journalisten, dürfe sie dieselben Türen nicht wegen deren Standpunkts vor anderen schließen. McFadden wurde von Trump ernannt.

Das Berufungsgericht setzte das Urteil im Juni 2025 aus. Oval Office und Air Force One seien nichtöffentliche Foren, über deren Zugang der Präsident weitgehend bestimme. Das Verfahren ist bis heute nicht abgeschlossen.

Dass der Pool kein geschlossener Block ist, zeigt seine eigene Geschichte: CNN erstritt den Platz darin 1981 erst, indem der Sender die Reagan-Regierung und ABC, CBS und NBC verklagte.

Dieselbe Harvard-Studie vom 18. Mai 2017 enthält einen deutschen Befund. Die ARD erreichte 98 Prozent negative und 2 Prozent positive Berichterstattung über Trump – der höchste Wert aller untersuchten Sender, noch vor CNN und NBC. Wer die Negativquote als Rechtfertigung für Zugangsentzug akzeptiert, akzeptiert sie auch für Berlin.

Die beiden Fragen hängen nicht zusammen. Ob ein Sender fair berichtet, entscheidet sein Publikum. Ob er in den Raum darf, entscheidet die Regierung, über deren Arbeit er berichten soll. Das Pool-System verteilt Nähe, und Nähe ist die Währung. Die Zuteilung liegt bei der jeweiligen Administration, gleich welcher Partei.