Kocak Remo Connection

KI-generierte Illustration von Ferat Koçak im Zusammenhang mit seinen Chats mit Firas Remmo und dem Haus seiner Verwandten in der Wildenbruchstraße. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog). Das Gebäude zählt zu den Immobilien, die Ermittler 2018 im Remmo-Umfeld beschlagnahmten.

Koçak und das Haus der Tante

Remmo? Nie gehört.

Berlin – Als seine Chats mit dem Sohn von Clanchef Issa Remmo öffentlich wurden, gab der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak an, zunächst nicht gewusst zu haben, wer hinter dem Namen steht. Nach Akten der Berliner Staatsanwaltschaft, über die Bild berichtet, lebten seine Tante und mehrere Cousins in einem Haus, das Ermittler dem Remmo-Umfeld zurechnen.

Nach der Berliner Wahl veröffentlichte Firas Remmo, ein Sohn des Clanchefs, auf Instagram Screenshots eines Chats aus dem Februar 2026. Darin bittet Ferat Koçak, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Neukölln, um das Teilen eines Beitrags und richtet dem Vater „Grüße mit Respekt“ aus.

Koçaks erste Verteidigung: Er stehe mit vielen Menschen im Austausch. Issa Remmo habe er nur höflich zurückgegrüßt, zunächst aber „keine Kenntnis“ gehabt, um wen es sich handle.

Später räumte er ein, auch nach dieser Kenntnis weitergeschrieben zu haben, und nannte das einen Fehler. Gegenüber der Zeit schilderte er nach Darstellung von André Hintz in Apollo News (1. Oktober 2026), erst beim Betreten von Remmos Büro am 6. Februar sei ihm klar geworden, wen er vor sich habe.

Das Haus der Tante stand schon 2019 in der Zeitung

Jetzt berichtet Bild unter Berufung auf Akten der Staatsanwaltschaft: Koçaks Tante und mehrere Cousins wohnten in einem Gebäude in der Wildenbruchstraße, Angehörige betrieben dort Geschäfte. Das Haus zählt zu den Immobilien, die Ermittler 2018 im Remmo-Umfeld beschlagnahmten.

Neu ist die Adresse nicht. Im Dezember 2019 tauchten dort an einem Burgerladen, einem Spätkauf und einem Wohnhaus Hakenkreuze und SS-Runen auf. Koçak sagte damals selbst dem Tagesspiegel, es seien die Lokale seiner Tante und seiner Cousins und das Wohnhaus seiner Verwandten.

Der RBB ordnete wenige Monate später Häuser in der Wildenbruchstraße den beschlagnahmten Remmo-Immobilien zu – so die Rekonstruktion der Apollo-News-Redaktion vom 2. Oktober 2026. Ob Koçak diese Zuordnung kannte, belegt keine der Quellen.

Belegt ist dagegen, wie lange ihn die Adresse begleitete. Im März 2023 erkundigte sich Koçak als Abgeordneter in einer Schriftlichen Anfrage beim Senat nach den Schmierereien an dem Burger-Lokal in der Wildenbruchstraße aus der Nacht zum 10. Dezember 2019.

Wie fremd kann ein Neuköllner Politiker der Name Remmo sein?

Ein Mietverhältnis begründet keinen Vorwurf. Mieter suchen sich ihren Vermieter selten aus, Verwandte haften nicht füreinander. Zur Debatte steht allein die Glaubwürdigkeit der Darstellung, der Name Remmo habe einem Neuköllner Innenpolitiker anfangs nichts gesagt.

Die Großfamilie kam in den 1980er-Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Einen Teil ihrer Angehörigen ordnet die Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. In Neukölln ist der Name seit Jahren Schlagzeile, und Koçak hat sich als Innenpolitiker wiederholt kritisch zur Verfolgung von Clankriminalität geäußert.

Wer die Stationen nebeneinanderlegt – die Adresse 2019, die Anfrage 2023, das Büro 2026 –, dem fällt es schwer, die anfängliche Ahnungslosigkeit für bare Münze zu nehmen. Koçak selbst erklärte inzwischen, schon der Anschein solcher Nähe müsse lückenlos ausgeräumt werden.

Die Linke distanziert sich, Koçak lässt seine Ämter im Parlament ruhen, das Mandat behält er. Aufgestellt hat ihn die Partei, geprüft hat ihn die Presse. Ein Parteienstaat, der Kandidaten über Gremien statt über Offenlegung auswählt, erfährt von solchen Verbindungen erst aus den Screenshots der Gegenseite.